Foul ist, wenn der Schiri pfeift

Josef Hertin aus Euskirchen schreibt: Dem Trierischen Volksfreund kann man zu seiner langen Tradition und seinem Geschäftserfolg nur gratulieren, trotz der netten Menschen, die sich an Rechtschreibfehlern aufgeilen und gerne den Oberlehrer mimen. Niemand ist vollkommen, wie Peter Reinhart von der Chefredaktion immer sagt.

Das Geheimnis des Erfolgs liegt darin, dass der Volksfreund sich mühelos den Erwartungen und der Philosophie der Leser anpasst. Mein einziger Verbesserungsvorschlag: Sie könnten vielleicht noch mehr Beiträge aus Wissenschaft und Forschung, Geschichte, Dossiers und weitere Berichte über den Klerus bringen, der immer wieder Anlass zu neuem Ärger bereitet.

Leserbriefe sind ein Indikator, ein Echo auf Nachrichten oder Meinungen. Ein demokratisches Forum, das jedem Leser offensteht. Die Leserbriefseiten gehören zu den meistgelesenen Teilen der Zeitungen, weil hier die Meinungen von normalen Menschen vertreten sind und nicht die von Klerikern oder Politikern.

Gäbe es die Meinungsfreiheit nicht, wären wir wieder beim Völkischen Beobachter und nicht beim Volksfreund.

 Bei einigen Zeitungen hat man das Gefühl, dass man einen Maulkorb verpasst bekommt, wenn man den Papst oder die katholische Kirche kritisiert. Im Volksfreund darf man sagen, dass sich die meisten Menschen nicht mehr für die abgedroschenen Moralvorstellungen interessieren. Der Mensch ist in seinen Entscheidungen frei und möchte nicht von machthungrigen klerikalen Narren regiert werden. Selbst der Blasphemie-Paragraf führt kaum noch zu strafrechtlichen Konsequenzen. […]

Lieber Herr Hertin,

vielen Dank für die Blumen. Sehr richtig, die Meinung ist frei, und ich halte es aus tiefster Überzeugung mit dem Aufklärer Voltaire (1694-1778): Ich mag verdammen, was Sie sagen, aber ich werde alles dafür tun, dass Sie es sagen dürfen!

Das heißt nicht, dass alles geht. Auf das Wie kommt es an.

Mit Blick auf den Gotteslästerungs-Paragrafen 166 im Strafgesetzbuch betonen Rechtsgelehrte, dass es im Meinungsstreit keinen Schutz der Religion gebe. Und dass es zu den „unvermeidlichen Zumutungen einer pluralistischen Gesellschaft“ gehöre, die Freiheit der Andersdenkenden zu tolerieren. Die „Beschimpfung von Bekenntnissen“ sei nur zu ahnden, wenn sie „geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören“.

Ein weites Feld. Seriöse Zeitungen wie der Volksfreund verzichten darauf, „religiöse, weltanschauliche oder sittliche Überzeugungen zu schmähen“ (gemäß Pressekodex, Ziffer 10).

Also: Es ist statthaft, in Leserbriefen zu wüten und zu toben – bis an die Grenze des Erlaubten. Doch verbale Keilereien? Auge um Auge, Zahn um Zahn? Immer feste druff? Nein.

Als Schiedsrichter lasse ich das Spiel laufen. Unfaire Aktionen und Fouls pfeife ich ab. Und erteile, wenn nötig, Platzverweise – etwa für Ihre Einlassung zum Blasphemie-Urteil des Amtsgerichts Berlin-Tiergarten, demzufolge es zulässig ist, die katholische Kirche wegen der Missbrauchsskandale als, na, Sie wissen schon, zu bezeichnen …

Herzliche Grüße!

Peter Reinhart