Macht, Medien und Moral

Zur Kredit- und Medienaffäre des Bundespräsidenten melden sich zahlreiche Leser mit Fragen und Kritik. – Auszüge:

Peter Frisch aus Kasel meint: Nur eine Anmerkung zur Hetzjagd auf unseren Bundespräsidenten. In fast allen Medien ist es anscheinend angesagt, sich an der Zerstörung des Menschen Wulff zu beteiligen. Ich finde es schrecklich, dass so einseitig berichtet wird mit hasserfüllten Aussagen der selbst ernannten Moralwächter.

Muss sich ein Bundespräsident vor jedem ausziehen? Es kommt noch so weit, dass seine Abfalltonnen durchsucht werden, um etwas zu finden, was negative Schlagzeilen hergibt. […] Berichten Sie mal über das unmoralische Verhalten der Redakteure. Dies wäre unpopulär, und viele Ihres Berufsstands würden sich schrecklich empören.

Lieber Herr Frisch,

bei der Aufklärung der „Causa Wulff“ geht es nicht um die Zerstörung eines Menschen, nicht um eine Hetzjagd, nicht um Hass. Sondern darum, ob ein Spitzenpolitiker sich unrechtmäßig Vorteile verschafft, ob er die Bürger belügt, ob er seinem Amt gewachsen ist.

Das sind Fragen, die Journalisten in einer Demokratie stellen dürfen – und müssen. Christian Wulff hat es in der Hand, zu antworten und Zweifel an seiner Glaubwürdigkeit auszuräumen.

Der Fall wäre wohl längst zu den Akten gelegt, hätte das Krisenmanagement des Bundespräsidenten funktioniert. Wulff entschied sich jedoch für die Salami-Taktik: Scheibe für Scheibe zugeben, was die Medien zutage fördern. Was Wunder, dass Reporter angesichts solchen Gebarens erst recht nachforschen, wie viele Scheiben der Salami womöglich noch fehlen …

Die Affäre zeigt, dass Politiker versuchen, Journalisten zu beeinflussen. Sie zeigt auch, dass Journalisten schlecht beraten sind, wenn sie sich von Beobachtern und Deutern des Zeitgeschehens zu Akteuren im Politbetrieb aufschwingen. Solcher Rollentausch passt nicht zum Versprechen der Unabhängigkeit und Überparteilichkeit der „vierten Gewalt“. Medien und Macht – ein Spannungsfeld, das wir in der Zeitung mehrmals aufgegriffen haben, zuletzt im Gastbeitrag von Michael Jäckel, Präsident der Universität Trier (siehe Ausgabe vom 16. Januar).

Manfred Köhl aus Beuren im Hochwald schreibt: Wer bezahlt die Anwaltskosten unseres Bundespräsidenten? Es ist doch hoffentlich, wie bei anderen Gelegenheiten, ein Sponsor gefunden worden? Denn schließlich muss er sich wegen der vielen Presseveröffentlichungen und des dadurch ausgelösten großen Interesses der Bürger zur Wehr setzen. Das konnte und kann er nur, wenn ihm renommierte Anwälte zur Seite stehen. Er wird die Kosten doch nicht etwa selbst bezahlen müssen? Kann der Volksfreund meine Frage beantworten? Es würde mich nicht wundern, wenn wir Steuerzahler wieder einmal die Zeche bezahlen müssten.

Lieber Herr Köhl,

die Anwälte des Bundespräsidenten (Kanzlei Redeker, Sellner, Dahs) haben am 5. Januar erklärt: „Das Honorar für unsere Tätigkeit zahlt Herr Wulff als Privatperson.“

Manfred Helbach aus Trier meint: Jetzt wird’s langsam lächerlich. Wenn Werner Kolhoff und seine Genossen in Berlin keine verwertbaren Beweise für einen Fehler von Herrn Wulff vorlegen können, dann sollten sie es besser lassen. Seine „Kommentare“ genannten Hassreden sind nur noch peinlich. Ganz abgesehen davon, dass Ausdrücke wie „Schnorrer, Heuchler, Täuscher“ den Tatbestand der Beleidigung nach Strafgesetzbuch erfüllen, begibt er sich damit auf ein unterirdisches Niveau à la „Bild“. Und einen solchen Mist wollen wir hier wirklich nicht lesen!

Lieber Herr Helbach,

über Meinungen lässt sich trefflich streiten. Die einen ärgern sich, die anderen stimmen zu – das gilt für den Beitrag des Berliner Korrespondenten genauso wie für Ihren Leserbrief. Wir berichten und kommentieren nicht pro oder kontra Partei, sondern in der Sache.

Wird Christian Wulff extra scharf beäugt, weil er ein CDU-Mann ist? Nein. Erinnern Sie sich an die Flugaffäre, die im Winter 99/00 dank hartnäckig recherchierender Journalisten aufgedröselt worden ist? Im Zentrum: Johannes Rau, Bundespräsident, Sozialdemokrat.

Herzliche Grüße!

Peter Reinhart

 

3 Gedanken zu „Macht, Medien und Moral

  1. So oder so, dieser politische Eiertanz hat das Amt des BP mehr als beschädigt. Medialer Aufklärungshohenflüge über dem Berliner Schloss sind an der Tagesordnung. Und von unten wird zurückgeschossen. Spielereien auf höchster Ebene ohne Neidfaktor sind doch sehr unterhaltsam fürs lechzende Volk. Übrigens mein Kandidat für das Amt des neuen BP heißt Gernot Lehr, der Mann klärt nämlich auf. Besten Dank für den Artikel Herr Reinhart

  2. Sirach 37/22.23.
    Mancher ist wohl geschickt,
    andern zu raten,
    und ist ihm selber nichts nütze.
    Mancher will klüglich raten,
    und man hört ihn doch nicht gern,
    und er bleibt ein Bettler.

    Wulff muß fallen !

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