Manche mögen’s heiß

Ein Leser ohne Namen schreibt als „gggggg“ per E-Mail an „alle“: Wir waere es mal mit einem Rechtschreibprogramm?
Leiebr Leesr onhe Nmaen,
ich vremute, Sie sieplen auf Rehctschierbfelher in der Zietnug an. Wie srtak draf man Wröter vrdereehn, dmait man eienn Txet ncoh vtsheert?
Vreblüffned, oder!?
Die Rehenifloge der Bstabchuen in eneim Wrot ist nälmich eagl. Wihctig ist nur, dass der estre und der leztte Bstabchue an der ritihcegn Pstoiion snid. Der Rset knan ttoaelr Mpumitz sien, tedztorm knan man ihn onhe goßre Mhüe lseen. Weil das melnscchihe Hrin von der Erfhnarug lbet. Um Ziet zu spaern, acthet es nihct auf eiznnele Bstabchuen, sodenrn nmimt das Wrot als Gazens whar.
So weit die erstaunlichen Erkenntnisse des britischen Linguisten Graham Rawlinson und anderer Bstabchuenvrederher: Nicht die korrekte Orthographie ist entscheidend, sondern die Verständlichkeit!
Der Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) bekannte: „Mir […] war die konsequente Rechtschreibung immer ziemlich gleichgültig. Wie dieses oder jenes Wort geschrieben wird, darauf kommt es doch nicht an, sondern darauf, dass die Leser verstehen, was man ihnen damit sagen wollte.“
Damit kein Missverständnis aufkommt: Rechtschreibfehler sind ein satanarchäolügenialkohöllisches Ärgernis. Ich bin verschiedentlich in Kolumnen darauf eingegangen („Lechts und rinks“, „Der Er-bonkel aus Pie-sport“, „Die Zahnpasta der Ayatollahs“ und andere, nachzulesen unter http://forum.blog. volksfreund.de).
Ja, Fehler passieren. Sie sind nicht zu verhindern. Nicht durch automatische Rechtschreibprogramme (beim TV: „Duden Korrektor“), nicht durch intensives Gegenlesen (beim TV: nach dem Vier-Augen-Prinzip). Mal versagt die Technik, mal irrt der Mensch. So wie im richtigen Leben. Von der vermasselten Mathe-Arbeit bis zum Eigentor im Fußball. Vom ärztlichen Kunstfehler bis zur Scheidung zweier Menschen, die sich einst ewige Treue gelobten.
Fehler über Fehler über Fehler über Fehler. Nobody is perfect. Ein humorvolles Beispiel für diese Weisheit liefert der wohl berühmteste Schlusssatz der Filmgeschichte. In „Manche mögen’s heiß“ (1959) erklärt der als Frau verkleidete Jack Lemmon alias Daphne dem exzentrischen Millionär Osgood Fielding III., gespielt von Joe E. Brown, warum er ihn nicht heiraten kann:
„Also, erstens bin ich nicht naturblond.“ – „Ist mir egal.“
„Zweitens rauche ich. Ich qualme den ganzen Tag.“ – „Ist mir gleich.“
„Ich habe eine dunkle Vergangenheit. Ich lebe seit drei Jahren mit einem Saxofonspieler zusammen.“ – „Ich vergebe dir.“
„Ich kann niemals Kinder kriegen.“ – „Wir adoptieren welche.“
„Verstehst du denn nicht, Osgood! Ich bin ein Mann!“ – „Na und? Niemand ist vollkommen.“
In diesem Sinne!
Peter Reinhart