Prinz Poldi, Schweini und Cacau

Fußball-Fan Luis, zehn Jahre alt, schaut sich die Weltmeisterschaft im Fernsehen an. Dabei ist ihm etwas aufgefallen: Warum haben die Spieler aus Brasilien so lustige Namen? Julio César oder Kaká. Und für Deutschland spielt Cacau. Heißen die wirklich so?
Lieber Luis,
das ist eine gute Frage. Die besten Fußballer der Welt sind ja ziemlich berühmt. Berühmt wird man, wenn man etwas besonders gut kann, so gut wie nur wenige andere. Zum Beispiel tolle Tore schießen. Und dann braucht man noch einen Namen, den sich die Menschen gut merken können. Schweinsteiger ist ein schwieriger Name, deshalb wird der deutsche Mittelfeldspieler oft „Schweini“ genannt. Podolski ist auch nicht einfach, viele sagen „Poldi“ oder „Prinz Poldi“. Das sind Spitznamen. Gab’s schon immer: der „Kaiser“ (Franz Beckenbauer), der „Bomber“ (Gerd Müller), die „Ente“ (Willi Lippens).
In anderen Ländern ist das mit den Spitznamen genauso, ganz besonders in Brasilien. Einer der großartigsten Fußballer aller Zeiten heißt Edson Arantes do Nascimento. Uiuiui, kann kaum jemand aussprechen. Pelé klingt doch viel besser, oder!?
In einem Buch über sein Leben erzählt Pelé, der heute fast 70 Jahre alt ist, dass er als kleines Kind so gerufen worden ist. Warum, weiß er nicht. „Namen sind in Brasilien auch für die ärmsten Menschen ein billiges Vergnügen, man geht dort sehr großzügig damit um. Jedermann kann sich einen Spitznamen leisten und die wenigsten haben eine besondere Bedeutung.“ Weiter schreibt Pelé: „Manchmal habe ich das Gefühl, als ob diese kurzen Spitznamen alle von Radioreportern erfunden wurden. Ein brasilianischer Radioreporter, der ein wichtiges Fußballspiel beschreibt, hört sich an wie ein hysterisches Maschinengewehr mit leichten Ladehemmungen. Da ist es für ihn schon sehr hilfreich, wenn die Spieler sich Pelé, Didi, Vava oder Pepe nennen. Ich kann mir schlecht vorstellen, dass einer von diesen Sprechern bei seiner Reportage mit den vollen Familiennamen der Akteure fertig wird – etwa so: ‚… Edson Arantes do Nascimento erhält den Ball von Sebastiao da Silva Tenorio Texeira Araujo, der gibt ihn weiter zu Valdemar Joao Mendes de Morais Filho, der dribbelt an Artur Ribeiro Carvalho José Brito vorbei und schlägt den Pass zu Ruy Moreira Acácio Guimaraes, dessen Kopfball …‘ Wirklich undenkbar – das Spiel wäre vorbei und die Zuschauer längst zu Hause, wenn der arme Reporter immer noch redet.“
Manche Spieler wählen ihre Künstlernamen nach Feldherrn (Julio César), andere nach Philosophen (Socrates), wieder andere werden von ihren Eltern nach Vorbildern getauft (Breitner Overath da Silva), nach einer bestimmten Eigenschaft (Garrincha = Zaunkönig) gerufen oder mit dem Kosenamen, den sie als Baby schon hatten. Pelé etwa oder auch Kaká (eigentlich Ricardo Izecson dos Santos Leite).
Der für Deutschland spielende Cacau heißt Claudemir Jeronimo Barreto, geboren in Brasilien. Als er ein Jahr alt war und gerade sprechen konnte, sagte er zu sich selbst Cacaudemir statt Claudemir. Seine Mutter nannte ihn von da an nur noch Cacau. Seit gut einem Jahr ist er Deutscher, und nur eines mag er nicht: wenn man ihn mit „Herr Cacau“ anspricht. Cacau reicht.
Lustig ist auch die Geschichte des brasilianischen Nationaltrainers. Als Carlos Caetano Bledorn Verri kennt ihn keiner, alle nennen ihn Dunga. Den Spitznamen erhielt er von seinem Onkel – nach dem Zwerg Dunga aus der portugiesischen Version des Märchens „Schneewittchen“.
Viel Spaß beim Fußball!
Peter Reinhart