Vorhersehbar wie Vollmond

Auszüge aus drei längeren Zuschriften: Hans-Joachim Selzer aus Bernkastel-Kues schreibt - zum wiederholten Mal - zur Finanzkrise und den Folgen; er fordert den Umbau der Volkswirtschaft nach dem sogenannten Bandbreitenmodell. Maximilian Meurer aus Wittlich äußert sich - zum wiederholten Mal - zur Partei Die Linke und warnt vor den „Postkommunisten” und ihren (angeblichen) Plänen, die Republik zu verändern. Bernd Donner aus Konz weist- zum wiederholten Mal - auf die Gefahren von Drogen und Alkohol hin.
Lieber Herr Selzer,
lieber Herr Meurer,
lieber Herr Donner,
bitte erschrecken Sie nicht: Ich erkläre Sie hiermit zu Muster-Männern, beispielhaft für viele Leserbrief-Schreiber. Wie das!? Sie gehören zu den geschätzten Autoren, die sich regelmäßig zu Wort melden. Für Ihre Treue, für Ihr Engagement zunächst herzlichen Dank. Mit Ihren Beiträgen bereichern Sie des Öfteren die Diskussion, geben Denkanstöße, regen Verbesserungen an. All das ist richtig und wichtig. Und doch: Diesmal verzichte ich auf den Abdruck. Warum? Weil Sie Ihre Thesen, Ihre Positionen bereits mehrmals in Leserbriefen dargelegt haben. Der Aufhänger mag jeweils ein anderer sein, die Argumente aber sind dieselben, teilweise wortwörtlich.
Wenn das Publikum in der Oper begeistert „Da capo!” schreit und eine Wiederholung herbeisehnt, gilt das als Zeichen höchster Wertschätzung: alles auf Anfang und noch einmal von vorn, weil es so großartig war.
Wenn das Fernsehen die x-te Wiederholung von, sagen wir mal, uralten „Sissi”-Filmen mit Romy Schneider ausstrahlt, ist das für manche Zuschauer „Kult”, für andere bedeutet es gähnende Langeweile.
Wenn sich bei der Lektüre von Leserbriefen das Gefühl einstellt: Mensch, das kommt mir bekannt vor, das habe ich doch schon mindestens einmal genau so von genau diesem Autor gelesen, dann ist das als klares Indiz zu deuten: Das Thema scheint von allen Seiten beleuchtet, es ist alles dazu gesagt, es ist ausgereizt, es hat sich erschöpft.
Nehmen Sie es nicht persönlich, aber auf Dauer wirken derlei Wiederholungen monoton. In die Zeitung gehören Neuigkeiten! Es wäre doch trostlos und fad, wenn Sie den Volksfreund aufschlagen würden und in periodischen Abständen wohlbekannte Artikel zu lesen bekämen - so vorhersehbar wie der nächste Vollmond.
Herzliche Grüße!
Peter Reinhart

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Ein Kommentar zu “Vorhersehbar wie Vollmond”

  1. Bürger meint:

    Sehr geehrter Herr Reinhart,

    ich denke, Sie haben sich hier etwas im Ton vergriffen. Sie haben auch das Wesen von politischen Aussagen nicht erfasst; nach dem Motto: Politik ist wie das Bohren dicker Bretter - da wird die Kurbel schon mal öfter gedreht.

    Nach ihrer Argumentation dürften Sie im Trierischen Volksfreund keine Meldung mehr bringen über unsere geliebte Bundeskanzlerin mit ihrem inzwischen schon monotonen, neoliberalen Gewäsch und vor allem nichts mehr kommentieren von ihrem Vize; der Westerwelle redet seit einem Jahrzehnt immer das Gleiche.

    Die Kriegshetzerei gegen den Iran zum Beispiel hat der Trierische Volksfreund jeden zweiten Tag auf der Platte. Ich kann die Formulierung „der Westen wirft dem Iran schon länger vor, unter dem Deckmantel eines zivilen Atomprogramms heimlich an Nuklearwaffen zu arbeiten“ in dieser oder in ähnlicher Form schon nicht mehr lesen.

    Dass sie schon mal ganze Berichte identisch gedruckt haben, ist Ihnen wohl entfallen? Es gibt noch viele ähnliche Themen, die Ihr Propagandablatt in der regierungshörigen, oft euphemistischen Form gebetsmühlenartig wiederholt. Nur die Todesanzeigen sind stets neue.

    Also mal schön langsam, Herr Reinhart!

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