Die Macht der Sprache

Hermann Meschke aus Trier schreibt: Es würde mich freuen, wenn Sie bei den Artikeln über die Nordische Ski-Weltmeisterschaft den deutschen Ortsnamen Reichenberg und nicht den tschechischen Liberec verwenden würden. Auf den Straßenverkehrsschildern in und um Zittau (Ostsachsen) stehen die deutschen Ortsnamen des ostsächsischen und seit 1945 polnischen „Zittauer Zipfels“ und des früheren Sudetenlandes an erster Stelle und die polnischen und tschechischen Namen in Kleindruck darunter. Wir verwenden ja auch in unserer Umgangssprache die deutschen Städtenamen Prag, Brünn, Mailand, Venedig und Florenz und nicht die tschechischen Praha und Brno und die italienischen Milano, Venezia und Firenze.
Lieber Herr Meschke,
vielen Dank für Ihren Brief und die Hinweise. Wir verwenden in der Berichterstattung die aktuellen und – wenn Sie so wollen: politisch korrekten – geografischen Bezeichnungen, im vorliegenden Fall also: Liberec.
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Schuld und Sühne

Ludwig Kuhn aus Wittlich schreibt: Es ist traurig und in äußerstem Maße beschämend und diffamierend, mit welcher Sensationslust über den Einsatz der Polizei anlässlich eines Raubüberfalls auf eine Bank berichtet wird. Das Image der Polizei und zweier bisher untadeliger Polizeibeamter wird in übelster Art in Misskredit gebracht. Machen sich die Medien, insbesondere der TV, einmal Gedanken darüber, wie den Polizeibeamten zumute ist, wenn sie den plötzlichen Befehl erhalten, einen bewaffneten Räuber dingfest zu machen?
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Nur Mut, Herr Pastor!

Ich bitte um Verständnis für das Pseudonym, aber ich bin Pastor in Ruhe und stehe unter Schweigegebot. Sonst würde ich den Rest meines Ruhestandsgehalts auch noch einbüßen und von Hartz IV leben. Als Hans-Jürgen Tomson aus Trier zeichnet der Autor dieser Zuschrift. Er fordert von Papst Benedikt den „Mut zum Rücktritt“.
Lieber Herr „Tomson“,
immer wieder erreichen uns vermeintliche Leserbriefe ohne Absender (oder mit einem Fantasienamen unterschrieben) mit der Bitte um Veröffentlichung und der Zusatzbemerkung: Wegen der Brisanz des Themas oder aus Furcht vor Repressalien müsse der Schreiber unerkannt bleiben. Mag ja sein, aber solche Beiträge bringen wir im Trierischen Volksfreund nicht. Sie sind tabu, und das hat, neben den juristischen, auch ganz pragmatische Gründe.
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Eigentore

Heinz Kind aus Trier schreibt: Vor Jahren hat der TV angekündigt, dass Berichte gegengelesen werden, um Fehler zu reduzieren. Im Sportteil werden aber Fehler in dpa-Berichten immer wieder übernommen. Heute z.B. hat „Neureuter die Goldmedaille im Riesenslalom gewonnen“
(+Janke statt Janka im Untertitel). Auch hat Fürth nicht in Ingolstadt 6:1 gewonnen, sondern zu Hause. Die Tabelle der 2. Bundesliga im Fußball ist seit Jahren ein Sorgenkind. In der Ausgabe vom Samstag fehlt der 18., vor 14 Tagen wurden die Freitagsergebnisse zweimal in die Tabelle eingearbeitet.
Die Tabellen während der jüngsten Handball-WM waren teilweise katastrophal. Beim Tischtennis würde ich mit Ihnen wetten, dass im letzten Jahr nicht eine Woche ohne Fehler berichtet wurde.
Es geht nicht um Berichte, die spät abends mit heißer Nadel gestrickt werden müssen. Ich wundere mich, dass in Ihrer Sportredaktion nicht abends Leute Dienst haben, die wie Millionen von Sportinteressierten diese Dinge erkennen.

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Sie haben die Wahl

Mario Stapelmann aus Gerolstein schreibt: Alle sprechen von der Finanz- und Wirtschaftskrise. Ich spreche zusätzlich von einer Informationskrise! Am 7. Juni finden Kommunalwahlen statt. Themen wie Kindergarten-, Parkplatz- oder Straßenbauprojekte stehen auf der Agenda. Aber wofür stehen die Parteien und deren handelnde Personen? Wann erfahre ich etwas über die Ziele und Programme? Kurz, mir fehlt eine frühzeitige Information über die Inhalte. Ich wünsche mir, dass sich das Ringen der Politiker um uns Wähler nicht erneut darauf beschränken wird, am Wochenende vor der Stimmabgabe farbige Luftballons und Kugelschreiber vor Supermärkten und in Ortszentren zu verteilen!

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Frankenstein oder Aufklärer?

Zur Ausstellung „Körperwelten“ des Plastinators Gunther von Hagens schreibt Frau B.: Ich ersuche Sie, solche Bilder in Zukunft nicht mehr in der Zeitung zu veröffentlichen. Wenn ich die Ausstellung besuchen will, steht es mir frei. Wenn ich sie nicht besuchen will, möchte ich auch nicht mit derartigen Bildern „geschockt“ und konfrontiert werden.

Liebe Frau B.,

vielen Dank für Ihr Schreiben. Ich verstehe Ihre Bedenken, bitte aber auch um Verständnis, dass wir in der Tageszeitung über Gunther von Hagens und sein „Werk“ berichten (müssen). Er ist eine umstrittene Figur, er wird von manchen Theologen und Politikern scharf kritisiert, seine Plastinate beschäftigen Gerichte – aber Ausstellungen wie die „Körperwelten“  werden auch von Millionen medizinischen Laien „fasziniert bestaunt“ (so beschrieb es kürzlich „Die Zeit“).  Ist er ein „Frankenstein-Künstler“, gar ein „Leichenfledderer“?

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Alles drin, alles dran

Axel Lambertz aus Fell schreibt: Ein guter Tag für die Welt, zumindest wenn man den Volksfreund liest. In der Ausgabe vom 31. Januar/1. Februar ist Gott sein Dank nichts (Schlimmes) passiert. Eine halbe Seite über einen überflüssigen Lotto-Jackpot, der schon auf Seite eins der Zeitung abgehandelt worden ist. Ferner eine viertelseitige PR-Anzeige. Dann noch die armen Probleme hirnloser Promis (Winehouse, Williams) und Nachrichten anderer „Stars“ von bedingter Relevanz. Nennen Sie bitte Ihr Blatt keine Zeitung, die Menschen in der Region angemessen mit Informationen versorgt!

Lieber Herr Lambertz,
vielen Dank für Ihre Hinweise. Ich verstehe, dass Sie manche Nachrichten für verzichtbar halten. Das geht wohl allen Menschen so. Die einen interessieren sich für Politik, die anderen für die Oper, wieder andere für Fußball, für die Schönen, Reichen und Berühmten, für die Ziehung der Lotto-Zahlen, für Sonderangebote oder Trauer-Anzeigen. In der Tageszeitung finden Sie von allem etwas: Themen, über die „man“ spricht, Wissenswertes, Neuigkeiten – kurzum: einen Spiegel des Zeitgeschehens.
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Vier Fälle, tausend Zweifelsfälle

Jutta N. schreibt per E-Mail zur Überschrift des Aufmacher-Artikels vom 29. Januar (Seite eins der Zeitung):

Liebe Volksfreund-Redaktion,
da müht man sich ab, seinen Kindern richtiges Deutsch beizubringen und dann kommt die Tageszeitung mit einer Überschrift auf der Titelseite, in der Singular und Plural durcheinander geschmissen werden. So viel ist klar: Rasen wird teurer und Drängeln wird teurer, aber Rasen und Drängeln werden teurer. Ein wenig mehr Sorgfalt wünscht sich ihre Leserin Jutta N.

Liebe Frau N.,

vielen Dank für Ihren Hinweis. Die deutsche Sprache kennt zwar nur vier Fälle, dafür aber über tausend Zweifelsfälle, meint Bastian Sick, der Autor des Bestsellers „Der Dativ ist dem Genetiv sein Tod“. Will sagen: fast keine grammatikalische Regel ohne Ausnahme.

Im vorliegenden Fall sind sowohl Singular als auch Plural möglich. „Rasen und Drängeln wird teurer“ ist grammatikalisch genauso richtig wie „Rasen und Drängeln werden teurer“. Es handelt sich um eine „feste Verbindung“. Wenn man sich den Artikel dazu denkt – der in Zeitungs-Überschriften oft weggelassen wird –, liegt die von der TV-Redaktion gewählte Variante nahe: „(Das) Rasen und Drängeln wird teurer“. Doch wie gesagt: Beides ist erlaubt.

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