Wer will, der kann

Egon Weyand aus Butzweiler schreibt: Seit Jahren bin ich eifriger Leser des TV und schaue seit einiger Zeit auch täglich die Online-Version an. Was mir da sehr negativ auffällt, ist die textliche Ausgestaltung der täglichen „Neuen Kommentare“ zu den Topthemen des Tages. Da tummeln sich aber auch wirklich alle, die einen PC haben und glauben, sie müssten zu allem und jedem ihre nach eigener Version allein seligmachende Meinung äußern.

Hier werden die abenteuerlichsten Kommentare unter einem Pseudonym veröffentlicht, was natürlich sofort zu den eifrigsten Gegenargumenten herausfordert. Dabei wird oft nicht mehr sachlich argumentiert; es folgt allermeistens eine Terminologie, die oft die Bezeichnung „deutsch“ nicht verdient, spätestens aber bei einer zweiten Antwort beleidigende bis anstößige Verunglimpfungen enthält, die irgendwann dazu führen, dass man diese Seite überhaupt nicht mehr aufruft. Dieser Zeitpunkt ist jetzt bei mir erreicht.

Ich möchte Sie deshalb bitten zu überdenken, ob es Sinn macht, diese Kommentarleiste aufrecht zu erhalten. Wenn jemand etwas Vernünftiges zum Weltgeschehen beitragen möchte, kann er dies immer noch auf dem Wege eines normalen Leserbriefes machen. Dann bleiben Sie aber Herr des Geschehens und entscheiden, ob die Zuschrift veröffentlicht wird oder eben nicht.

Lieber Herr Weyand,

vielen Dank für Ihre E-Mail. Wer will, der kann – in den unendlichen Weiten des Internets ist (fast) alles möglich, was in anderen Medien aus den verschiedensten Gründen tabu ist. Roland Grün, Online-Redakteur beim TV, meint dazu: „Das Netz ist so etwas wie das moderne Sprachrohr des kleinen Mannes – in das manchmal auch hineingebrüllt wird. Diese Nebenwirkungen akzeptieren wir.“ Ansonsten gilt das Grundgesetz, Artikel 5:

(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.

(2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.

Das Motto für die Nutzer-Kommentare auf volksfreund.de beschreibt Online-Profi Grün so: „Wir zensieren nicht, wir moderieren.“ Rechtswidrige und beleidigende Äußerungen oder unflätige Bemerkungen werden gelöscht, sofern die Redaktion Kenntnis davon erlangt.

Das Prinzip aber lautet: so viel Toleranz wie möglich! In Zweifelsfällen wird das „Corpus Delicti“ durch einen Medienanwalt geprüft. Zum Glück ist es nur selten notwendig, einzelne Kommentare zu entfernen.

„Die Heftigkeit der Diskussionen ist auch ein Gradmesser dafür, wie sehr ein Thema die Menschen berührt“, sagt Roland Grün. Musterbeispiel: die Scheinangriffe von US-Militärjets auf den Eifelort Nattenheim vor einigen Monaten. Hunderte Wortmeldungen auf volksfreund.de haben der Redaktion signalisiert: Achtung, heiße Story, dranbleiben, weiter berichten, immer wieder nachlegen – was wir ja auch getan haben.

Ein Gedanke zu „Wer will, der kann

  1. Lieber Herr Weyand,

    danke für den präzisen Hinweis zum Olmert-Kommentar. Wir haben den Beitrag gelöscht.

    Freundliche Grüße

    Peter Reinhart

    —–Ursprüngliche Nachricht—–
    Von: Egon Weyand
    Gesendet: Mittwoch, 7. Januar 2009 12:44
    An: Mail Redaktion
    Betreff: Wer will, der kann

    Sehr geehrter Herr Reinhart,
    zunächst danke ich Ihnen sehr für die fundierten Äußerungen auf meinen Leserbrief am Samstag, dem 3.01.09.
    Dennoch muss ich leider feststellen, dass Ihre Einlassung betr. die Behandlung der eingehenden Kommentare durch den Online-Experten, Herrn Roland Grün, zumindest in dem Falle „Olmert will humanitären Korridor“ der Aktualisierung bedarf. Die dort teilnehmenden Kommentatoren werden von einem „palastinagirl26“ auf das Übelste beschimpft und beleidigt. Gemäß Ihren Ausführungen sollten solche Äußerungen gem. dem Recht zum Schutz der persönlichen Ehre eigentlich nicht weiter existieren und sofort gelöscht werden.. Diese Aussage wurde bereits am 5.1.09 getätigt und durch eine Wiederholung vor 15 Std. nochmals bekräftigt. Der Fall hier erscheint mir persönlich besonders krass. In einigen anderen Fällen gefällt mir die Wortwahl ebenso ganz und gar nicht. Aber das scheint mir auch eher eine Frage der persönlichen Geschmackstoleranz zu sein. Möglicherweise sind Journalisten auch mehr Kummer gewohnt als Otto Normalverbraucher.
    Mit freundlichen Grüßen
    Egon Weyand

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