Vorsicht, Hoax!

Josef Wagner aus Perl schreibt zur Finanzkrise: Wie sich die Zeiten doch wiederholen. Aus den Fehlern der vergangenen Generationen haben die nachfolgenden nichts gelernt. Durch Raffgier einzelner Zeitgenossen in allen Nationen, auf Kosten der Allgemeinheit, kommt es zu Krisen, die sich in der Geschichte wiederholen. Zur Weltwirtschaftskrise vor knapp achtzig Jahren schrieb damals der deutsche Schriftsteller Kurt Tucholsky einen Text, den er 1930 in der „Weltbühne“ veröffentlichte. Ein wenig Lyrik kann nie schaden:

Wenn die Börsenkurse fallen, regt sich Kummer fast bei allen,
aber manche blühen auf:
Ihr Rezept heißt Leerverkauf.
Keck verhökern diese Knaben Dinge, die sie gar nicht haben,
treten selbst den Absturz los, den sie brauchen – echt famos!
(es folgen weitere acht Vierzeiler)

Lieber Herr Wagner,

vielen Dank für Ihre Zuschrift. Das Gedicht ist hübsch, aber es ist nicht von Kurt Tucholsky. Seit einigen Monaten kursieren die Verse im Internet – eine Fälschung, ein sogenannter Hoax (englisch für: Jux, Scherz, Schabernack, auch: Schwindel).

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Klasse und Masse

Jobst Meyer aus Pluwig schreibt: Bei der Lektüre des TV vom 9. Dezember war ich erstaunt. Ankündigungen von Veranstaltungen in der Trierer Tufa („La Signora“), im Theaterfoyer („Poetry Slam“) und in Luxemburg („Altre Stelle“) mit Berichten und Bildern! Etwas, was meist nur den vom TV in seiner Eigenschaft als „Event-Agentur“ organisierten Veranstaltungen vorbehalten bleibt.

Wie oft schon habe ich vom jeweils abkommandierten Volontär lesen müssen, diese oder jene – nicht vom TV organisierte – Veranstaltung sei trotz ihrer Qualität leider nur mäßig besucht gewesen. Nun, mit Vorberichterstattung, vielleicht auch Interviews mit den Künstlern im Vorfeld und so weiter könnte sich so etwas ändern, dann kommen auch die Besucher. Vielleicht nehmen Sie sich ein Beispiel am „Schwäbischen Tagblatt“: Im kleinen Tübingen schafft es diese Zeitung, zwei Programmkinos und diverse Kleinspielhäuser „vollzuschreiben“ – ohne Angst vor möglicher Konkurrenz.

Lieber Herr Meyer,

vielen Dank für Ihre Zuschrift. Der Begriff „Event-Agentur“ ist hübsch, trifft aber nicht zu. Die Redaktion ist unabhängig, tritt nicht als Veranstalter auf, organisiert nicht – sondern berichtet. Vorher, nachher. Über Konzerte, Theater, Sport, Weihnachtsmärkte, Vorträge.

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a2 + b2 = c2

Zu den Leserbriefen „Nein“ und „Ja“, die kürzlich veröffentlicht worden sind, schreibt Stefan Mayer aus Trier: Auf welches Niveau hat sich der TV inzwischen herabgelassen, dass er eine Veröffentlichung von den angeblich kürzesten Leserbriefen ohne Bezug nehmenden Inhalt mit den Worten „Ja“ und „Nein“ preisgibt? Viele wirklich interessante Zuschriften werden nur zum Teil veröffentlicht, da sie schon im Vorfeld redaktionell selektiert werden. Da es sich hierbei noch nicht mal um Briefe handelt, erscheint mir dies unverständlich und primitiv zugleich. Davon abgesehen haben sich die Zusender auf ein ebenso niedriges Niveau herabgelassen. Wenn man wenigstens einen Ansatz von Humor erkennen würde …

Lieber Herr Mayer,

vielen Dank für Ihre Zuschrift. Die kürzesten Wörter, nämlich „ja“ und „nein“, erfordern das meiste Nachdenken. Dieser Satz wird dem alten Griechen Pythagoras zugeschrieben, ebenso wie der andere Satz, der mit dem rechtwinkligen Dreieck und den Katheten-Quadraten und dem Hypotenusen-Quadrat, Sie wissen schon: a2 + b2 = c2. Das eine ist philosophische Weisheit, das andere exakte Wissenschaft.

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Hildebrand und Hadubrand

Stephanie Frauenkron aus Trier schreibt: Ich finde es sehr schade, dass häufig mehr Wert auf Schlagzeilen gelegt wird als auf Inhalte. Besonders nerven mich die zum Teil reißerischen Überschriften und die konstruiert wirkenden, oft an den Haaren herbeigezogenen Alliterationen. Etwa vor einigen Tagen „Wirbel um den Wechselwilligen“ im Sport-Aufmacher. Tatsächlich behandelte gerade mal ein Viertel des Artikels den Wunsch Lukas Podolskis, den Verein zu wechseln. Warum kein informativer, interessanter Titel? Warum diese überflüssigen, zurechtgebogenen Formulierungen, die doch so oft ins Lächerliche abgleiten? Warum allzu oft diese unsachliche, fast schon primitive Sprache? Mir ist bewusst, dass der TV kein Blatt mit einer intellektuellen Leserschaft ist. Das ist nicht weiter schlimm – aber ist es deshalb nötig, gleich das Sprachniveau auf das Minimale zu senken?

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