Die Partei der Leser

Cornell Bach aus Trier schreibt: Warum geht der TV nicht mal ausführlich auf die Alpträume ein, die uns Bürger plagen? Es sind doch genug vorhanden: Politikverdrossenheit, Ausbeuterei durch den Staat, Geldverschwendung, die Sonderstellungen der Beamten und ihre Privilegien, Kriminalität, besonders durch Ausländer, die Gesetzgebung, die Justiz (Steuerhinterzieher werden härter bestraft als Vergewaltiger) und andere mehr. Haben Sie endlich den Mut und sind der Stachel im Fleisch der Politiker! Nur die Medien haben die Macht, sich als Vertreter der Bürger ins Spiel zu bringen. Oder ist Ihre Zeitung nur mit Parteisoldaten besetzt?
Lieber Herr Bach,
vielen Dank für Ihre Anregungen. Sie listen eine Reihe von Themenfeldern auf, die von der TV-Redaktion tagaus, tagein mit Leidenschaft beackert werden. Der Ertrag lässt sich an Zahlen festmachen. So wirft unser elektronisches Archiv für die vergangenen zehn Jahre unter dem Suchbegriff „Politikverdrossenheit“ 542  Treffer aus. Für „Geldverschwendung“ sind es 169 Einträge, für „Kriminalität“ 12605, für „Justiz“ 7332.
Viele, viele Berichte und Kommentare also, Meldungen, Analysen, Hintergründe und Interviews, in denen wir den Dingen auf den Grund gehen – unabhängig und überparteilich. Wer sich als kritischer Beobachter der Aufgabe widmet, den „Mächtigen“ auf die Finger zu schauen, sollte Distanz wahren. Dabei sein, aber nicht dazugehören – dieses Prinzip gewährleistet die Glaubwürdigkeit von Journalisten. Für Redakteure und Volontäre des TV ist jede Aktivität in politischen Organisationen tabu.
Wenn es eine „Partei“ gibt, für die sich der TV ohne Vorbehalte engagiert, dann sind es die Leser. Wir setzen uns für die Region und die Menschen ein, wir verstehen uns als ihr „Anwalt“. Nicht im juristischen Sinne, denn Rechtsberatung können und dürfen wir nicht leisten. Aber: Wir recherchieren, wir stellen den Behörden und Politikern unangenehme Fragen, wir berichten, wir haken nach. Immer wieder, wenn nötig jahrelang. Und oft bewegt sich dann tatsächlich etwas – dank der Berichterstattung.
Ein Beispiel dafür ist die Aktion „Der TV bringt’s voran“. Viele Leser melden sich, sagen uns, was ihnen auf den Nägeln brennt, machen ihrem Ärger über öffentliche Missstände Luft, geben Tipps und Hinweise, die wir gerne aufgreifen. Oft wird daraus ein spannendes Thema in der Zeitung: Der TV bringt’s voran. Wir bleiben dran – hartnäckig und mutig.
Viele Grüße!
Peter Reinhart