Bon appetit!

Stefan Mayer aus Trier schreibt: Vom Tortenguss zum Breiverdruss … oder wie wird eine Regionalzeitung zum Fallobst? Man nehme: reichlich Sport, eine Handvoll spektakulärer Unfälle, gewürzt mit Werbung, ein bisschen Wirtschaft und Politik aus der ganzen Welt, und zum Schluss eine leichte Prise „Lokales“. Dieses Mischungsverhältnis kann’s doch nicht sein. Zwei bis vier Seiten im Schnitt an lokalen Netto-Berichten sind einer ?100000-Einwohner-Metropole nicht würdig. Von einem „Volksfreund“ kann seit langem nicht mehr die Rede sein. „Sportsfreund“ wäre der bessere Name. Ohne diesen Anteil könnte man schon fast durch das Blattwerk hindurchschauen. Es wird Zeit, dass hier ein neuer Küchenmeister die Rezepturen überdenkt.
Lieber Herr Mayer,
besten Dank für Ihre Gastro-Kritik. Was macht ein gutes Essen aus? Nichts geht ohne die Zutaten, klar. Daneben ist es sicher die Inspiration der Köche und ihre Kunst, bewährte Rezepte und spannende Kreationen zu kombinieren. Zudem sollte das Menü adrett angerichtet und serviert werden.
Werfen wir mal einen Blick in die dampfenden Kessel und brutzelnden Pfannen beim TV: Auf der Speisekarte finden Sie alles, was die regionale und lokale Küche hergibt, dazu Spezialitäten aus deutschen Landen und aller Welt. Das Angebot wechselt täglich, weil wir nur frische Ware, direkt vom Markt, verarbeiten. Unser Ziel ist es, den Hunger von 300000 Lesern nach Informationen zu stillen und sie mit journalistischen Leckerbissen zu verwöhnen. Feinschmecker und Fast-Food-Fans, Liebhaber von Hausmanns-Kost und Vegetarier, Grill-Meister und Salat-Spezis, Sushi-Schwärmer und Suppen-Sympathisanten. Die einen mögen es schwach gesalzen, die anderen schätzen Cayenne-Pfeffer und Tabasco. Will sagen: sehr viele unterschiedliche Menschen mit sehr verschiedenen Geschmäckern. Unmöglich, ein Mahl zuzubereiten, das allen gleichermaßen mundet.
Das Geheimnis der erfolgreichen TV-Küche lautet daher: reichlich Grundnahrungsmittel aus der Region, die jeder benötigt, dazu so viele Delikatessen wie möglich. Die Speisekarte umfasst 32 Seiten, während der Ferien 28 Seiten, an Wochenenden bis zu 64 Seiten. Der Lokalteil hat acht bis zehn Seiten, es gibt zwölf Ausgaben: Trier, Trierer Land, Konz, Saarburg, Hochwald, Bitburg, Prüm, Daun, Gerolstein, Wittlich, Mosel und Hunsrück. Macht zusammen täglich zwischen 96 und 120 Seiten Lokales – die Grundnahrung. Dazu sechs bis acht Seiten Politik und Wirtschaft, drei bis vier Seiten Sport (montags acht) und vier Seiten Kultur und Vermischtes. Der Anteil der Anzeigen liegt bei etwa einem Drittel. Gäbe es sie nicht, wäre der TV um ein Vielfaches teurer – und die Leser würden viele Informationen vermissen. Bon appetit und schöne Grüße!
Peter Reinhart