Bibalur, CU und gn8

Helmut Bodes aus Kinderbeuern schreibt: Bei all‘ diesen Abkürzungen blickt niemand mehr durch. LCD, WLAN, DVD, Flat, Spam – was heißt dieser ganze Schrott, den nur Fachleute verstehen, bitteschön auf Deutsch!?

Lieber Herr Bodes,

vielen Dank für Ihre Zuschrift. Ja, es stimmt: Der Abkürzungs-Wahn nervt. Zehntausende dieser Buchstaben-Kombinationen kursieren, und täglich werden es mehr. Die meisten klingen wie Geheimcodes, die nur Eingeweihte verstehen – der große Rest wird ausgegrenzt.

Die Redaktion des Trierischen Volksfreunds bemüht sich, es den Lesern so einfach wie möglich zu machen. Das heißt: keine (unbekannten) Kürzel verwenden, schon gar nicht in Überschriften, und wenn es in Artikeln nicht anders geht, dann mit entsprechender Erklärung.

Ein Beispiel: Was Abkürzungen wie CDU oder SPD oder Kurzwörter wie Nato oder Uno bedeuten, ist überwiegend bekannt. Wenn jedoch eine Buchstabenkette wie LCD auftaucht, dann gehört eine Erläuterung in den Text (englisch „Liquid Crystal Display“, ein Flüssigkristallbildschirm oder eine Flüssigkristallanzeige).

Die Vorliebe, Wörter oder Begriffe abzukürzen, blüht seit jeher in bürokratischen Organisationen und Behörden, beim Militär, in Medizin, Wissenschaft und Technik. Da finden sich grauslige Zungenbrecher wie das ArbZAbsichG (Gesetz zur sozialrechtlichen Absicherung flexibler Arbeitszeitregelungen), die BestüVAbfV (Verordnung zur Bestimmung von überwachungsbedürftigen Abfällen zur Verwertung) und die EUStBV (Einfuhrumsatzsteuer-Befreiungsverordnung). Nicht zu vergessen die FCKWHalonVerbV (Verordnung zum Verbot von bestimmten die Ozonschicht abbauenden Halogenkohlenwasserstoffen), die HundVerbrEinfVO (Hundeverbringungs- und Einfuhrverordnung) und die wunderbaren MittdtschPatAnw (Mitteilungen deutscher Patentanwälte). Das ist nur eine winzige Auswahl.

Spannend wird es, wenn der PHM (Polizeihauptmeister) einen OLO (Obdachlosen) zwecks ZV (Zeugenvernehmung) in Zusammenhang mit einem TD (Taschendiebstahl) aufs PRev (Polizeirevier) mitnimmt.

Oder wenn der FA (Facharzt) die HF (Herzschlagfrequenz) p. c. (post cenam = nach dem Essen) überprüft, weil Verdacht auf eine KHK (koronare Herzkrankheit) besteht. Wie schön, wenn der Mediziner dann sagt: o. B. (ohne Befund).

Seit es Mobiltelefone gibt und die Mode, sich per SMS mitzuteilen, grassiert das Abkürzungs-Fieber auch jenseits der Fachsprachen. Vor allem jüngere Menschen sind infiziert. Beim „Simsen“, abgeleitet von „Short Message Service“ (Kurznachrichtendienst, abgekürzt SMS), geht es darum, in 160 Zeichen Botschaften zu übermitteln. Je kürzer die Wörter, desto mehr Inhalt kann transportiert werden. In der Jugendsprache hat sich längst ein eigener Jargon etabliert. Im Sims-Deutsch gibt es kuriose Vokabeln:

BIGLEZUHAU: Bin gleich zu Hause;

FANTA: Fahre noch tanken;

HAHU: Habe Hunger;

KO15MISPÄ: Komme 15 Minuten später;

SGUTWS: Schlaf‘ gut und träume was Schönes;

gn8: Gute Nacht.

Derlei wird nicht nur via Handy verbreitet, sondern schleicht sich auch in die gesprochene Sprache ein. So verabschiedet sich manch einer aus dem Büro mit einem „mfg!“ oder kommentiert eine witzige Bemerkung mit einem „*lol*“, was aus dem Englischen kommt und so viel heißt wie „laughing out loud“ (lautes Lachen).

Die Simser hatten ihre frühen Vorläufer im Mittelalter, als sich die Mönche plagten, Bücher von Hand zu kopieren. Dabei entstand so manche Abkürzung, etwa für das lateinische Wort deus (Gott), oftmals einfach „ds“ abgekürzt.

Ach so: Bibalur (bin bald in Urlaub), verabschiede mich bis Mitte Juli und wünsche Ihnen eine schöne Zeit. CU („see you“ = tschüs, man sieht sich)!

Herzliche Grüße!
Peter Reinhart