Medienmacher = Meinungsmacher?

Wolfgang Hax aus Dhronecken schreibt: Seit über 40 Jahren verfolge ich mit Interesse das politische Geschehen. In all den Jahren hat es immer wieder sogenannte „Wortbrüche“ von allen Parteien gegeben. Und immer wieder ist mir aufgefallen, dass es oft an den Medien liegt, was als „Wortbruch“ groß herausgestellt wird. Dabei spielt insbesondere die „Bild“-Zeitung eine entscheidende Rolle. Dieses Boulevard-Blatt nimmt die Meinungsführerschaft für sich in Anspruch. Chefredakteur Kai Diekmann und sein Gefolge bestimmen häufig, was als „Wortbruch“ deklariert wird und was nicht. Oft werden regelrechte Kampagnen gesteuert. „Bild“ bestimmt, welche Sau durchs Dorf getrieben wird! Und die meisten anderen sagen: Meinungsführer, wir folgen dir!? Leider geht der Volksfreund viel zu oft (wie viele andere Blätter auch) auf diese von „Bild“ gesteuerte Meinung ein.

Lieber Herr Hax,

vielen Dank für Ihre Zuschrift. Sie werfen eine spannende Frage auf: Was bedeutet Meinungsführerschaft? Die Wissenschaft erforscht das Thema seit Jahrzehnten, der Begriff „Opinion Leader“ taucht erstmals in einer Studie zur Präsidentenwahl in den USA von 1940 auf. Gemeint sind heute meist „Leitmedien“, die häufig zitiert werden. In der aktuellen Deutschland-Rangliste liegt der „Spiegel“ vor „Bild“ und „Bild am Sonntag“ (Bams). Unvergessen ist der saloppe Spruch des Medienkanzlers Gerhard Schröder, der meinte, zum Regieren brauche er nicht viel mehr als „Bild, Bams und Glotze“. Nun ja.

Die entscheidende Frage ist: „Machen“ die Medien Nachrichten, um – zum Beispiel – politische Kampagnen zu inszenieren? Oder sorgen sie nicht vielmehr dafür, dass Themen und Trends, die ohnehin „auf dem Markt“ sind, für ihr Publikum analysiert und eingeordnet werden?

Bei der Auswahl verlassen sich Journalisten auf Gespür und Erfahrungswerte: Wir wissen recht genau, was die Leser interessiert – etwa Berichte und Kommentare über Politiker, die Wahlversprechen nicht halten. Der Umgang der SPD mit der Linken hat viele Menschen bewegt, daher ist die Geschichte vom Beck’schen Wortbruch in immer neuen Facetten beleuchtet worden. Boulevard-Blätter gehen dabei lautstark und plakativ zu Werke, regionale Medien wie der TV sachlich und informativ.

Zu den Merkmalen der Mediendemokratie gehört es, dass Politiker jede Möglichkeit nutzen, sich mitzuteilen. Wenn eine Meldung von „Spiegel“ oder „Bild“ in Berlin für Aufregung sorgt, setzt ein Automatismus ein: Es gibt Bestätigungen oder Dementi, Pressekonferenzen, Fernseh-Interviews – das volle Programm. Die TV-Leser fänden es seltsam, wenn sie in ihrer Zeitung oder im Internet auf volksfreund.de nichts über das Berliner Top-Thema erfahren würden. Selbstverständlich mit eigenen Akzenten und eigener Bewertung – aber nicht blindlings im Gefolge vermeintlicher „Leitmedien“.

Unser Ziel ist: Was in Trier, in der Eifel und im Hunsrück wichtig ist, bereiten wir für die Leser des Trierischen Volksfreunds auf – möglichst exklusiv. Meinungsführerschaft wäre dafür allerdings das falsche Wort. Wir wollen die öffentliche Meinung durch eigene Nachrichten und klare Positionen bereichern, wir wollen sie nicht monopolisieren oder manipulieren.

Herzliche Grüße!

Peter Reinhart