Demokratie wagen – und ertragen!

Cornell Bach aus Trier schreibt: Lügenpresse? Okay, kein schönes Wort. Wie wäre es mit Unterschlagungs- oder Manipulationspresse? Jedenfalls hat der Volksfreund wieder zugeschlagen und einen wichtigen Satz aus der Rede von Joachim Gauck unterschlagen. Stimmt nicht? Dann schauen Sie sich bitte den Anhang an. Oder bin ich einer Medienente aufgesessen?

Sehr geehrter Herr Bach,

danke für den Hinweis und den mitgelieferten „Beweis“, ich zitiere den vermissten Gauck-Satz weiter hinten. Als Ihre Quelle habe ich den Nachrichtensender n-tv.de ausgemacht (Autoren: „hul/AFP“). Sie meinen also, dass der Volksfreund lügt und manipuliert, n-tv dagegen wahrhaftig informiert? Schauen wir uns den Fall an:

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Spaß mit Einstein

Wichtig ist, dass man nicht aufhört zu fragen. (Albert Einstein, 1879-1955, Physiker)

Guten Tag! Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Hätte ich Spaß dran. Zum Beispiel, wie wohltuend es ist, die Nachrichtenmaschine eine Zeit lang abzuklemmen. Zu verzichten auf all das Gehampel, auf all die Quatscher, Quengler, Querulanten, auf all die Rituale der Empörung im Politstadl und Kulturzirkus. Auf Merkelgabrielseehoferböhmermannerdoganhollandecameronjunckerobamaputinclinton-trumpassadetcpp. Hätte ich Spaß dran.

Oder zu berichten, wie die gewaltigen Aufreger, die pausenlos auf unseren medialen Marktplätzen ausgerufen werden, aus der Ferne betrachtet auf Liliputformat zusammenschnurren. Flüchtlingemietpreisbremsemilchschwemmeglyphosatbauernkrise- altersarmutterrorangstatomkraftwerkcattenometcpp. Hätte ich wirklich Spaß dran.

Oder ein wenig darüber zu philosophieren, was von dem Wort des Aufklärers Immanuel Kant (1724-1804) zu halten ist: Das Reisen bildet sehr; es entwöhnt von allen Vorurteilen des Volkes, des Glaubens, der Familie, der Erziehung. Es gibt den humanen duldsamen Sinn, den allgemeinen Charakter. Wer dagegen nichts sah, was ihn in der Sphäre, worin er lebt, umgibt, hält leicht alles für notwendig und einzig in der Welt, weil es in seiner Heimat dafür gilt.

Ja, ich hätte auch Spaß dran, eine These zu überprüfen, die dem Naturforscher Alexander von Humboldt (1769-1859) zuschrieben wird: Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung derer, die die Welt nie angeschaut haben.

Aber: Das ist Ihr Forum. Einstein, siehe oben. Ich freue mich auf frische Fragen!

Herzliche Grüße!

Peter Reinhart

Staats… was? Böhmer… wer?

Halb Deutschland (und die ganze Türkei) sitzt beleidigt auf dem Sofa und nimmt übel, heißt es. Staatsaffäre Böhmermann, heißt es. Eine höllisch brisante Causa, heißt es.

Staats… was? Böhmer… wer?

Keine Sorge, ich besinge nicht die Freiheit der Kunst, ich reite keine Paragrafen, ich doziere nicht, was Satire darf und was nicht. Dazu ist alles gesagt, von fast allen. Es nervt.

Eine Staatsaffäre, ha! Macht und Sex. Verrat, Intrigen, Heimlichtuerei. Eifersucht, Drogen, Mord. Das ist der Stoff, aus dem die Träume sind! Saftige Geschichten, über die sich die Welt erregt – und die manchmal die Welt verändern! Von Kaisern und Konkubinen. Von Päpsten und Mätressen. Von Präsidenten und Prostituierten. Cäsar und Cleopatra. John F. Kennedy und Marilyn Monroe. Bill Clinton und Monica Lewinsky …

Und was haben wir? Ein Gedicht, ein hundsmiserables. Fabriziert von einer Comicfigur, die plötzlich ernst genommen und vom geschmähten Potentaten Erdogan verklagt wird. Wie langweilig. Alltag im globalen Dorf. Alltag im Zeitalter der industrialisierten Unterhaltung.

Das Netz lacht. 24/7, rund um die Uhr, jeden Tag. Witzigkeit kennt keine Grenzen. Klamauk, Geblödel und Allotria. Das Heischen nach Aufmerksamkeit und Gefallen. Firlefanz statt Relevanz. Provokation und Empörung, immer dieselben Rituale.

Kann es sein, dass wir uns zu Tode amüsieren, wie Neil Postman vor Jahrzehnten orakelte?

Kann es sein, dass die medial-satirische Infantilisierung der politischen Debatte den Blick auf die Wirklichkeit verstellt?

Kann es sein, dass die Staatsaffäre Böhmermann womöglich das triviale Sinnbild einer trivialen Gesellschaft ist?

Mehr Fragen und Antworten gibt’s nach meinem Urlaub, in vier Wochen.

Schöne Zeit!

Peter Reinhart

Links? Rechts? Vorne!

Rückblende. 8. Juli 1949, ein besonderes Datum in der Geschichte dieser Zeitung: Der Trierische Volksfreund ist wieder der Trierische Volksfreund.

Von 1938 bis 1945 von den Nazis verboten, weil der Verleger Nikolaus Koch sich gegen die Gleichschaltung gewehrt hatte, nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst mit französischer Lizenz als Trierische Volkszeitung neu gegründet, prangt an jenem 8. Juli 1949, einem Freitag (und seitdem an jedem Erscheinungstag), der Traditionsname auf Weiterlesen

Grünfärberei

Heinz Hallermann aus Trier schreibt zur Volksfreund-Ausgabe vom 21. März: Auf Seite drei ein Artikel über den Parteitag der rheinland-pfälzischen Grünen. Darin dieses Zitat eines Politikers: „Wir werden viele unverdauliche Kröten schlucken müssen.“ Er meint wohl, dass seine Partei gezwungen ist, einige ihrer Überzeugungen aufzugeben, will sie an der neuen Landesregierung beteiligt sein. Auf Seite elf im Lokalteil geht es um Krötenschutz: Freiwillige Helfer bringen die Tiere von der Straße, damit sie nicht von Autos überfahren werden, und tragen sie zum Laichgewässer. Die beiden Berichte auf einer Seite, nebeneinander – dazu ist es leider zu spät …

Lieber Herr Hallermann,

witziger Vergleich, frivole Pointe! Die grünen Krötenschlucker, vom Wähler beinahe auf die rote Liste der bedrohten Arten befördert (von 15,4 Prozent auf 5,3 Prozent dezimiert), ähnlich arm dran wie liebestolle Amphibien auf der Asphaltpiste, kurz bevor … wroooooommm!!!

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Angestupst

Haben Sie Lust auf ein Gedankenexperiment? Okay, los geht’s.

Ich verspreche, dass 80 von 100 Menschen, die diese Kolumne lesen, gut drauf sein werden, wenn sie bis zum Ende durchhalten. Na, was tun Sie? Dranbleiben am Text, vermutlich.

Die Entscheidung fällt Ihnen leicht, weil ich Ihre Neugier wecke, weil ich einen Glücksmoment in Aussicht stelle. Und wegen des Nudge. Wegen was?!

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Urteile und Vorurteile

Cornell Bach aus Trier schreibt:

Frage: Wie verhält sich der TV zu der Richtlinie 12.1 vom Presserat? So wie ich das gelesen habe, will man weiter daran festhalten. Es stand zu lesen, dass Diebe von Smartphones in der Metternichstraße in Trier festgenommen wurden. Oder waren es wirklich Deutsche? Der Verdacht wird jedenfalls auf diese Volksgruppe gelenkt. Trier-Nord und Metternichstraße passen doch gut.

Frage: Was berichtete der TV im Januar 2015 über die erschreckenden Vorkommnisse im Hamelner Krankenhaus? Bei meiner Recherche war in den Medien nur von einer Großfamilie zu lesen. Jetzt lese ich wegen 12.1, dass es sich um eine 30-köpfige Großfamilie aus dem Libanon handelte.

Ich will es einfach nicht glauben, was hier abgeht.

Sehr geehrter Herr Bach,

weil es mal wieder um Grundsätzliches geht – Presserat, Ethik, Lügenpresse – und all das dutzendfach diskutiert worden ist, versuche ich zur Abwechslung eine historische Annäherung und versorge Sie mit ausführlichen Zitaten.

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Der Tarzan-Jane-Faktor

Ich Tarzan. Du Jane.  Schön romantisch, diese Anmache, jedenfalls in den schnulzigen Verfilmungen des Dschungel-Klassikers von Edgar Rice Burroughs. Ein paar Wörter bloß. Dazu ein bisschen techteln und mechteln, also das, was die Wissenschaft „nonverbale Kommunikation“ nennt. Und einige gezielt eingesetzte Urlaute. Uuuaaahhhh, uuuaaahhh. Fertig.

Ich Tarzan. Du Jane. Ich dich lieben. Mehr braucht es nicht. Kurz. Klar. Knackig. Sie hat ihn verstanden, er hat sie verstanden, sie haben sich gekriegt. Der Tarzan-Jane-Faktor. Satzbau nicht korrekt? Egal.

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Alles Müller, oder was?!

Berthold Backes aus Ayl schreibt: Eigentlich hatte ich vor, die Zeitungsausgaben einer ganzen Woche auf Namen zu filzen, habe aber davon abgesehen, nachdem es wesentlich mehr geworden sind als erwartet und der geplante Zeitaufwand sich vervielfacht hatte. Es war die Saarburger Ausgabe vom Montag, 22. Februar. Vermutlich tauchen in meiner Liste so viele Namen von Sportlern auf, weil viele Veranstaltungen am Wochenende stattfinden. Formalitäten: In der Spalte „Funktion“ meiner Liste habe ich auf die Männlich-Weiblich-Unterscheidung verzichtet. Namen werden nur mehrfach erwähnt, wenn sie auf verschiedenen Seiten erscheinen. Namen in Familienanzeigen sind nicht erfasst.

Was schließen wir daraus? Namen sind „Schall und Rauch“ (Dr. Heinrich Faust in Goethes Faust I) oder „Namen sind was für Grabsteine“ (Bösewicht Kananga in James Bond „Leben und sterben lassen“). Man liest sie und vergisst sie im selben Augenblick, ex und hopp, null Relevanz und Information. Weiterlesen

Unbemerkt verschluckt

Warum? Darum. Ich veröffentliche keine Briefe, die mit „Volksverräter“ anfangen und mit „Heil …!“ enden. Von dem rassentheoretischen Gefasel dazwischen ganz zu schweigen. Einzelfall? Nö, täglich grüßt das Murmeltier und sondert – Tschuldigung – stinkenden Braunkack ab. Also: Ist nicht. Warum? Darum.

Sprache ist Macht. Sprache bestimmt das Bewusstsein. Sprache beeinflusst das Denken. Aus dem  Bewusstsein, aus dem Denken, entstehen Taten.

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