Rosa Wolken

Dominik Dern aus Kerpen schreibt: Gute Nachrichten zu lesen, das tut mir gut, darüber freue ich mich. Davon hätte ich gerne mehr, und ich fände es schön, wenn das fester Bestandteil der Zeitung würde. So wie neulich, als an einem Tag nur gute Nachrichten auf der Welt-Seite veröffentlicht worden sind.

Sonst finde ich fast immer nur schlechte Nachrichten. Kindesmisshandlung, Mord an einer Schwangeren, psychisch kranke Täter, tote Touristen bei einer Explosion irgendwo und so weiter. Ich frage mich: Was soll das, wer will das lesen? Wenn ich solche Artikel suche, kaufe ich mir Bild oder Express. Fallen Ihnen keine anderen Neuigkeiten ein?

Lieber Herr Dern,

gut ist besser, logisch, so viel wie möglich, her damit! Bei allem Bemühen, das Positive herauszuarbeiten, bei allem Wissen, dass das ewige Krisen-und-Katastrophen-Gebraus, das unablässige Mord-und-Totschlag-Gedöns nervt: Verdrängen, verschweigen, vergessen geht nicht.

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Saise, bruda

Wanderwörter. Exportiert aus der deutschen Sprache in alle Welt. Tausende solcher Germanismen gibt es. Wie neulich versprochen, hier einige Beispiele*, mal komisch, mal kurios:

Auf Afrikaans heißen ungeduldige Deutsche Aberjetze. Ein Überbleibsel aus der Kolonialzeit, in der die Besatzer in Südwestafrika ihre Arbeiter mit dem Ruf „Aber jetzt!“ antrieben.

In Kanada treffen sich Frauen zum kaffeeklatsching. Wer sich bei  vorspiel und nachspiel in Norwegen versext fühlt, liegt falsch – gemeint ist das Bier oder der Cocktail vor oder nach einem Kneipenabend.

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Potz Blitz!

Es war einmal … der Mensch. Vor Hunderttausenden Jahren begann er zu wandern. Weil es ihm da, wo er lebte, irgendwo in Afrika, zu eng geworden war. Weil es woanders besseres Futter gab. Schönere Frauen. Interessantere Männer. Aus Neugier. Wer weiß? Der Weg war das Ziel.

Der Mensch startete … das Projekt Globalisierung. Erst Handel, mit Werkzeugen, mit Speerspitzen. Dann Wandel, der Austausch von Erfahrungen, Ideen, Gedanken, die Weiterlesen

Mondschüsse

Ich sammle Titel. Also, nicht solche, die mir verliehen werden. Sondern die von anderen Leuten. Titel, die ich interessant oder lustig finde. Meine (bislang) schönste Entdeckung: Head of getting moonshots ready for contact with the real world.

Kein Witz, das ist die offizielle Dienstbezeichnung von Obi Felten, einer Deutschen, die im Geheimlabor Google X über Technologie-Ideen brütet. Frei übersetzt: Sie ist dafür verantwortlich, dass aus verrückten Mondschüssen (= Science-Fiction) Produkte entstehen, mit denen wir im richtigen Leben beglückt werden.

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Yalla! Yalla!

Die babylonische Sprachverwirrung im Medienzeitalter nervt manche Leser – zwei Beispiele:

Frau B. aus Morbach meint: Schreiben Sie doch nur noch auf Englisch, wir alten Leute begreifen sowieso nicht mehr, was in der Zeitung steht!

Herr H. aus Bitburg schlägt vor: Wenn ich den Volksfreund lese, muss ich viele Wörter erst mal googeln. Wie wär’s in Zukunft mit Arabisch, die Sprache ist ja stark im Kommen, dann können Sie Englisch langsam vergessen!

Liebe Frau B.,

lieber Herr H.,

Sie weisen auf ein zentrales Thema der Kommunikation hin: Verständlichkeit.

Wer will, dass seine Texte gelesen werden, muss dafür sorgen, dass die Leser das Geschriebene verstehen.

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Alles. Oder nichts.

Jutta Just aus Trier schreibt: Was in München passierte, ist schlimm. Die Berichterstattung im Fernsehen war beängstigend. Es wurde spekuliert, analysiert, diskutiert und informiert. Es wurden Gerüchte (Stachus) aufgenommen und wieder fallen gelassen. Über Stunden ergab sich nichts Neues. Und darüber hat man immer wieder berichtet. Für mich wurde damit die unüberschaubare Lage immer beängstigender.

 Wäre es nicht besser gewesen, nach den ersten Informationen dem Zuschauer zu erklären, dass, wenn sich Neues ergibt, man sich wieder meldet?

Liebe Frau Just,

Anschlag mit einem Lastwagen in Nizza; Anschlag mit einer Axt in Würzburg, Anschlag mit einer Pistole in München, Anschlag mit einer Machete in Reutlingen, Anschlag mit einem Sprengsatz in Ansbach, Anschlag mit Messern in einer Kirche in der Normandie – viele Tote, viele Verletzte, die Schreckensbilanz weniger Tage.

Ist das jetzt die Apokalypse, wie ein deutsches Magazin posaunt? Gerät die Welt aus den Fugen? Alles schlimmer als je zuvor? Natürlich nicht.

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Sine nomine

Dieter Grab aus Schwirzheim hat in einem Leserbrief (TV vom 13. Juli) die CDU-Politiker Klöckner und Billen kritisiert. Darauf bekam er Post an seine Privatadresse. Seine Reaktion:

Man kann über alles verschiedener Meinung sein. Und das kann jeder öffentlich in einem Leserbrief kundtun. Dafür bietet der Volksfreund Platz und Gelegenheit. Was meiner Meinung nach nicht geht, sind anonym verschickte Briefe, die sowohl inhaltlich als auch grammatikalisch ihr Ziel verfehlen. Aus einem wiederkehrenden Fehler bei der Adressierung meine ich den Absender zu erkennen. Anonym heißt im Englischen Anonymous. Streicht man aus diesem Wort die Buchstaben o n y m o, bleibt Anus übrig. Und was da rauskommt, wissen alle. In diesem Sinne weiterhin gute Verrichtung, liebe(r) anonyme(r) Schreiber(in).

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Big-Bang-Theorie

Was ist eigentlich mit der Flüchtlingskrise, fragt Herr H. aus Trier. Lange nichts gehört, lange nichts gelesen.

Lieber Herr H.,

es ist, auf den ersten Blick, eigenartig. Flüchtlingskrise? War da mal was? Über Monate hat die Redaktion dieser Zeitung täglich berichtet, über Monate haben sich täglich „besorgte Bürger“ gemeldet, die in Mails und Briefen ihre Befürchtungen kundtaten, die öfters schimpften, bisweilen wüteten. Gegen die unfähigen Politiker. Gegen die Lügenpresse. Untergang des Abendlandes. All das. Und nun?

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Ich war’s nicht

Unglaublich! – Gibt’s doch nicht! – Was für eine Luftnummer! – Peinlich!  Das sind Auszüge aus Zuschriften von Lesern zum geplatzten Verkauf des Hunsrück-Flughafens Hahn. Unverständnis, Ratlosigkeit, auch Häme – und immer wieder die Frage: Wie kann das sein?!

Liebe Leser,

die Welt ist ein merkwürdiger Ort, voller Geschichten, die so irre sind, dass man viel Fantasie braucht, um sie sich auszudenken. Sie sind aber nicht erfunden. Sie passieren, im richtigen Leben. Die Polit-Posse um den Hahn – oder ist es ein Wirtschaftskrimi? – gehört dazu. Jetzt schon, obwohl längst nicht alle Einzelheiten bekannt sind.

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