Morgens halb zehn in Deutschland

Ein Wort zum Unwort: „Lügenpresse“ tönt es neuerdings in der einen oder anderen Zuschrift an den Volksfreund. Nein, keine Namen, keine Tiraden im O-Ton. Nur eine Gegenrede.

Lieber Herr P., lieber Herr E., lieber Herr G., … (merkwürdig, ausschließlich Männer ereifern sich über die Lügenpresse),

lesen Sie jetzt nicht weiter. Sie wissen eh, dass alles gelogen ist, was in der Zeitung steht. In dieser, in jeder. Alles manipuliert, alles gleichgeschaltet, behaupten Sie. Mainstream-Medien. Systempresse. Lügenpresse. Gesteuert von den Strippenziehern in der Politik und in der Finanzwelt.

Pssst! Ich verrate ein Geheimnis. Es stimmt!!! Jeden Morgen um halb zehn kommt die Weiterlesen

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Schluss mit lustig? Niemals!

Valentin Steffens aus Altrich schreibt: Gibt es unter dem Deckmantel Satire keine Grenzen? Der Terroranschlag auf das Pariser Satiremagazin Charlie Hebdo mit zwölf Toten ist absolut und zweifelsfrei barbarisch. Als schon älterer Bürger Deutschlands stelle ich mir allerdings die Frage, gibt es für Satire, gerade auch unter dem Deckmantel Pressefreiheit, keine respektablen und humanen Grenzen? „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ steht im Grundgesetz. Können provozierende und inhumane Beiträge in Wort und Bild, oft eher wahrheitsfern, unter den bekannten terrorbeflissenen Zeitgenossen nicht gerade Hass und Zwietracht schüren oder sogar Anschub leisten für furchtbare barbarische Taten?

Lieber Herr Steffens,

es stimmt, die Geschichte lehrt uns, dass es der Menschheit besser ginge, wenn manches nicht gesagt, geschrieben, gezeigt worden wäre.

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Jede Jeck is anders!

Eine Auswahl der schönsten Zuschriften zum Forum „Die Unperfekten“, zum Artikel „Der Ungleichheitsguru“ (beides TV vom 3./4. Januar) und ganz allgemein zur Fehlerkultur:

Lieber Herr Reinhart!

Der Tag ist mal wieder gerettet. Und bitte, wem habe ich das zu verdanken? Ihrer Leserin Frau Linden und Ihnen. Hätte Frau Linden sich nicht aufgeregt, wäre mir ein tolles Highlight, nämlich Ihre heutige Antwort im TV, entgangen. Es hat mir wie immer Spaß gemacht, über die – in diesem Fall gewollten – Fehler herzhaft zu lachen. Mein Tag hat dadurch jedenfalls mit absolut positiver Energie begonnen. Weiterlesen

Die Unperfekten

Margit Linden aus Greimerath schreibt zum Bericht „Marktstand in Flammen“ (TV vom 22. Dezember): Nie wieder esse ich Steaks in Trier! Laut TV wird dort neben Reibekuchen und Backfisch auch gebratenes Menschenfleisch angeboten. Schuld daran sind weder die dortigen Gastronomen noch der absolute Lieblingskumpel vom stellvertretenden Chefredakteur Peter Reinhart – nämlich der arme Druckfehlerteufel, der (als Fabelwesen) immer dann herhalten muss, wenn Reinhart nicht mehr weiter weiß, sondern die außergewöhnlich merkwürdig geschulten Schreiberlinge vom TV.

Gerne hätte ich mich auf Ihre verzweifelten Anzeigen hin als Korrekturleserin beworben. Aber leider habe ich, da bereits anderweitig beschäftigt, keine Zeit dafür. Aber ich habe einen Super-Tipp für Sie: Stellen Sie doch in Zukunft nur noch Redakteure ein, die zum Beispiel den Unterschied zwischen „Champion“ (das ist ein Mensch) und „Champignon“ (das ist ein Pilz) kennen. Dann können die TV-Leser endlich mal eine korrekt geschriebene Zeitung lesen und ich wieder ohne Horror-Ekel ein (Rinder-)Steak mit Champignons genießen. Weiterlesen

Isothermen und Isotheren

Fred Casagranda aus Konz schreibt zur Schlagzeile „Frost, aber kein Schnee: Nächste Woche ‚Winter light’ in der Region“ (TV vom 28. November): Bitte überlassen Sie den Großkaufhäusern ihren „Sale“. Ihre Redakteure sind sicher imstande, das, was gemeint ist, auf Deutsch zu sagen. Nebenbei: Ich bin Lëtzebuerger.

Karl Mrakawa aus Kyllburg meint zur selben Überschrift: In aller Früh erreichten mich zwei Anrufe mit dem Unmut, sieh dir mal die Titelseite des Volksfreunds an. Haben wir es nötig, uns von den Zeitungsschreibern veramerikanisieren zu lassen? Kann man das nicht auf Deutsch formulieren? Die Presse soll eine Schule für die Menschen sein! Es ist wirklich eine Zumutung.

Lieber Herr Casagranda,

lieber Herr Mrakawa,

ja, es stimmt: Das denglische Gedöns in der Titelzeile wäre vermeidbar gewesen.

„Winter light“: So hat der Meteorologe Dominik Jung, der im Artikel (und in der Überschrift) zitiert worden ist, seine Wetterprognose für die nächste Zeit zusammengefasst. Soll wohl heißen: Der Winter ist kein richtiger Winter, sondern einer, dem etwas fehlt. Frost, Schnee, Eis.

Das englische Modewort „light“ (leicht) wird gemeinhin von Werbern verwendet, um Produkte als besonders „hip“ anzupreisen oder etwas Unangenehmes zu verschleiern, Weiterlesen

Keine Alternative, nirgends

Zum Interview „Wir stehen vor einer neuen Bedrohungslage“ und zum Artikel „Die verbreitete Angst vor den Neuen“ (TV vom 24. November) schreibt …

Erwin Zunker aus Auw an der Kyll: Als langjähriger Abonnent des TV hätte ich mir eine neutrale Berichterstattung bezüglich der AfD gewünscht. Von einem angeblich nicht politikgesteuerten Journalismus erwarte ich jedoch, dass der Veröffentlichung eines Artikels eine anständige Recherche vorausgeht. Weiterlesen

Alleyn uff gewynn und groß beschisß

Johannes Mohr aus Trier schreibt „zur Frage der Machtausübung“: Wir haben erlebt, wie eine Gewerkschaft ihr „Recht“ auf Streik ausgeübt hat, nicht nur im Kampf gegen den Arbeitgeber, sondern auch gegen eine konkurrierende Gewerkschaft. Wenn Arbeiter gegen ihren Arbeitgeber streiken, wird in der Regel nur der betroffene Betrieb lahmgelegt.

Wenn aber Lokführer und Flugzeugpiloten streiken, nehmen sie zahlreiche neutrale Personen (Pendler, Schüler und andere) in Geiselhaft und erhöhen damit erheblich das Druckpotenzial. Es gibt also Personengruppen, die aufgrund ihrer Tätigkeit eine wesentlich größere Macht ausüben können als normale Bürger. Da erhebt sich die Frage: Inwieweit ist diese Machtausübung zulässig und verantwortbar?

Zu den Gruppen mit besonderem Einfluss gehören auch die Redakteure von Zeitungen und Zeitschriften. Andere Personen können nicht mit den gleichen Mitteln antworten und sich verteidigen, wenn es vor Ort keine konkurrierende Zeitung oder Zeitschrift gibt. Ein Bericht zu einer Straftat kann durch Vermutungen und vorauseilende Unterstellungen Stimmungen erzeugen. So kann eine Kampagne entstehen, zum Beispiel beim Bischof von Limburg oder anderen Personen des öffentlichen Lebens, die Fehler begangen haben und medial ins Abseits gestellt werden. Weiterlesen

Frieda Frech und Archibald Angeber

Frau F. meint: Ich würde sehr gern Leserbriefe schreiben, bitte aber ausdrücklich darum, meinen Namen und meinen Wohnort nicht zu veröffentlichen. Könnte ich mir nicht einen Künstlernamen zulegen, um meine Anonymität zu wahren? Ich lese im Volksfreund doch des öfteren Artikel, wo Menschen aus Gründen des Personenschutzes anonym bleiben dürfen oder einen anderen Namen erhalten. Haben Leserbriefschreiber keine Lobby? Falls dem so wäre, fände ich es sehr schade.

Liebe Frau F.,

vielen Dank für Ihre Zuschrift. Ich habe Verständnis für Ihren Wunsch, anonym zu bleiben, kann aber keine Ausnahme zulassen. Warum?

Immer wieder erreichen uns „Leserbriefe“ ohne Absender oder mit Fantasie-Namen gezeichnet – mit der Bemerkung, wegen der Brisanz des Themas müsse der Schreiber Weiterlesen

Falsche Freunde

Frau L. aus der Eifel (will nicht namentlich genannt werden) schreibt öfters über dies und das, sie wünscht keine Veröffentlichung in der Zeitung. Es sei jedoch gestattet, eine ihrer Beobachtungen aufzugreifen:

Wenn ich Politiker in Talkshows Sätze sagen höre wie „Da bin ich ganz bei Ihnen“, graut es mir. Wer hat eigentlich diese dämliche Sprachwendung zum ersten Mal benutzt?

Liebe Frau L.,

vielen Dank für diese Vorlage. Das Phrasenschwein grunzt verzückt. Oink, oink!

Also, wo kommt das her? Dieser Schwulst: Da bin ich ganz bei Ihnen. Oder: Das macht doch, am Ende des Tages, nicht wirklich Sinn.

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Versuch und Irrtum reloaded

Wilfried Schnatmeyer, Schatzmeister der Deutschen Gesellschaft für Baukybernetik aus Graach an der Mosel, meint:

Sehr geehrter Herr Reinhart,

Ihre Antwort bei „Versuch und Irrtum“ im Leserforum macht mich stutzig. Sie wollen also dem Leser Ihrer Zeitung vorschreiben, wie er Ungereimtheiten im TV zu verstehen hat! Bilder sind zwar ganz schön, sie erinnern mich aber an eine große Groschen-Zeitung. Es ist auch anzumerken, wenn Sie Text aus der Rhein-Zeitung übernehmen, den ganzen Text zu übernehmen und nicht Absätze wegzulassen, weil wegen der Bildchen kein Platz mehr ist!

Weiter muss ich bemängeln, dass kritische Leserbriefe, die Ihnen nicht gefallen, nicht gebracht werden. Anstatt die Reklamationen zu akzeptieren, müssen Sie Ihren Leser Walter Ferner auch noch kritisieren und ihn als flüchtigen Leser hinstellen. Glauben Sie, Herr Reinhart, Sie hätten damit was Gutes getan?

Lieber Herr Schnatmeyer,

vielen Dank. Als ich Ihre Zuschrift las, dachte ich spontan, dass mein Versuch über „Versuch und Irrtum“ ein Irrtum war. Der Irrtum, dass es möglich sei, anhand einfacher Beispiele zu erklären, dass jeder Versuch, das Beste aus einer Geschichte Weiterlesen