Frei, unendlich frei …

Alexandra Leitner schreibt per E-Mail, unterzeichnet mit „enttäuschte Grüße“: Als Mensch neige ich nicht zu extremen Positionen, aber es ist offenbar Zeit, etwas zu ändern. Am 25. Mai haben Millionen Menschen weltweit gegen Monsanto protestiert, um ihren Unmut über genetisch manipulierte Lebensmittel durch diesen Großkonzern zu demonstrieren. Die Aktion (www.march-against-monsanto.com) wurde über das Internet getriggert – mit überwältigender Resonanz.

Das wahrhaft Erschütternde ist allerdings, dass die Macht dieses Konzerns offenbar so groß ist, dass weltweit – und das gilt auch für Deutschland – jede Berichterstattung in Printmedien wie in Fernsehen und Rundfunk komplett unterdrückt worden ist, und das betrifft auch den Trierischen Volksfreund.

Nirgendwo fand man einen einzigen Satz zu dieser wichtigen Aktion! Ein Skandal sondergleichen, denn das ist ein offensichtlicher Angriff auf die Pressefreiheit und zeigt, Weiterlesen

Anschwellende Wahlgesänge

Hans-Joachim Selzer aus Bernkastel-Kues schreibt: Die Leserbefragung des Trierischen Volksfreunds hat ergeben, dass die Bürger durchaus politisch interessiert sind. 82 Prozent der Befragten haben dies bestätigt. Von Politikverdrossenheit kann man da wohl kaum reden, aber durchaus von Parteienverdrossenheit.

Wie kommt dies?

Einerseits liegt es an den enttäuschenden Politikern der Etablierten selbst, der Verkrustung der Parteien sowie der Ideenlosigkeit, um die drängenden Probleme zu lösen – um nur einige zu nennen.

Egal, was man wählt, es ist immer nur die andere Seite der gleichen Medaille. Es ändert sich nichts. Aber auch der TV und andere Medien sind nicht ganz unschuldig an der Weiterlesen

Zwinker, zwinker

Manfred Nolting aus Neuerburg schreibt: Die Vorberichte zum Champions-League-Finale in London finde ich völlig überzogen. Tagelang musste ich in fetten Lettern lesen: „Wir hauen die Bayern weg …“ und „Wir hauen die Borussia weg …“ Der Verdacht, dass der TV sich immer mehr der Bild-Zeitung annähert, hat sich mal wieder bestätigt.

Eine Zeitung wie der Volksfreund sollte doch bemüht sein, ihre Ausdrucksweise und Formulierungen im Zusammenhang mit Fußball zu mäßigen. Es ist doch wirklich nicht in Ordnung, wenn immer wieder solche Ausdrücke wie „Wir hauen …“ in der Presse zu lesen sind. Sie sollten bedenken, dass es genug sogenannte Fußballfans gibt, die nicht unterscheiden können und für die solche Formulierungen nur noch Benzin ins Feuer des Weiterlesen

Der tiefere Sinn des Labenz

Alle Jahre wieder: 25. Mai, der Handtuch-Tag! Wie bitte, Handtuch-Tag? Und überhaupt, fragt Douglas Adams: Was soll das alles, was ist der Sinn des Lebens?

Lieber Douglas Adams,

diese Kolumne ist, posthum, Ihnen gewidmet. Ich denke, Sie hätten Spaß daran und hoffe, die Leserinnen und Leser des Volksfreunds auch. Für alle, die Douglas Adams (1952-2001) nicht kennen: Der Brite hat das Kultbuch „Per Anhalter durch die Galaxis“ geschrieben, ein Meisterwerk der Satire, irrlichternd zwischen Weltgeist und Zeitgeist, Wahnsinn und Wahrheit, Witzelsucht und Aberwitz.

Ein Handtuch sei „so ziemlich das Nützlichste“, was man auf einer Weltraum-Odyssee dabeihaben sollte, scherzte Adams. Sein Held Arthur Dent reist mit einem Handtuch als Weiterlesen

Wortwitz und Witzwort

Ich habe nichts gegen neue Wörter, sagt Frau M., aber manchmal weiß ich wirklich nicht, was sie bedeuten sollen. Mit den englischen Begriffen tue ich mich schwer. Und jetzt habe ich ein paar Mal etwas vom „Merkeln“ gehört – was ist das denn?!

Liebe Frau M.,

vielen Dank, ein schönes Thema. Die Sprache ändert sich ständig. Neue Wörter kommen auf, um Dinge zu bezeichnen, die es früher nicht gab. Andere verschwinden, weil man sie nicht mehr braucht.

Das Deutsch der Luther-Zeit um 1500 klingt in unseren Ohren befremdlich, und die Menschen im Jahr 2500 werden unser denglisch vermengtes Gebrabbel vermutlich für Weiterlesen

Sein oder Nichtsein

Eugen Ludwig aus Reinsfeld schreibt: Warum kann sich eine Zeitung nicht mal grundsätzlich für eine Richtung entscheiden (für die richtige, nicht für die falsche) und in der Berichterstattung dabei bleiben? Oder ist die richtige Richtung nicht klar?

Ansonsten ist die Zeitung beliebig und macht sich unglaubwürdig. Weil sie wie eine Fahne je nach Windrichtung weht. Mal berichten Sie in die eine Richtung (in die falsche), mal in die andere (in die richtige). Nehmen Sie es mir nicht übel. Aber wenn ich mich in der Öffentlichkeit so gegensätzlich äußern würde – die Leser erklärten mich für verrückt! Wenn ich sagen würde, schwarz ist nicht schwarz, sondern weiß. Und weiß ist nicht weiß, sondern schwarz. Also genau das Gegenteil von dem, was richtig ist, was würden Sie dann sagen? Der hat sie nicht mehr alle. Und da hätten Sie recht …

Lieber Herr Ludwig,

vielen Dank für Ihren Brief. Sie reißen ein spannendes Thema an. Was ist richtig? Was ist falsch? Das lässt sich leicht klären, oder? Schwarz ist schwarz und weiß ist weiß. Wenn es doch so einfach wäre!

Die allermeisten Fragen, mit denen uns das Leben konfrontiert, mit denen wir uns beschäftigen und die wir in der Zeitung verhandeln, sind nicht kategorisch mit richtig oder Weiterlesen

Adam, Eva, die Schlange … und Uli!

Heinz Stroh aus Lösnich meint zum Leserbrief „Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein“ (TV vom 27./28. April): Ein super Schrieb, diese Zuschrift von Erwin Marmann aus Burg an der Mosel. Beim genauen Lesen für jeden etwas dabei, es müsste mehr solcher Schreiber geben!

Lieber Herr Stroh,

vielen Dank für Ihre Mail. Ganz Deutschland diskutiert über den Fall Hoeneß. Die Menschen sind irritiert, erschüttert, verärgert, sie reden sich die Köpfe heiß und schreiben pointierte Leserbriefe, während die Medien immer neue Details der Steuer-Affäre enthüllen.

Der ungebremste Absturz des Bayern-Bonzen aus der ersten Liga der honorigen Leute mitten hinein in die fauligen Sümpfe der Lügner und Betrüger – eine große, nie Weiterlesen

Die Durchstecher

Fußball ist ein Massenphänomen. Millionen Menschen lieben das Spiel, ergötzen sich am Drumherum. Dass sich jedoch eine ganze Nation über die mitunter wundersamen Aufführungen im Ball-Theater ereifert, bis in die Spitzen der Politik hinein, kommt nicht alle Tage vor: Uli Hoeneß und der FC Bayern, Gesprächsthema Nummer eins.

Die Volksfreund-Leser diskutieren munter mit, und einige werfen die Frage auf, welche Rolle die Medien in der Affäre spielen. Spielen sie überhaupt eine?

Liebe Bayern-Freunde,

liebe Bayern-Feinde,

Fußball ist Revolution, Fußball ist Religion, Fußball ist Politik, Fußball ist Big Business, Fußball ist Oper, Fußball ist Zirkus, Fußball ist ein Spiegelbild der Gesellschaft. Und der FC Hollywood, Verzeihung: der FC Bayern München, ist das Nonplusultra von alldem.

Uli Hoeneß ist Bayern München. Der Mann polarisiert. Man mag ihn, oder man mag ihn nicht. Er gehört zu den Allmächtigen des Ball-Gewerbes, weltweit. Was solch ein Ballmächtiger sagt, denkt, tut, beschäftigt die Öffentlichkeit. Die Medien spielen gern mit ihm, er spielt gern mit den Medien.

Warum ist die Steuer-Affäre gerade jetzt bekannt geworden? Warum folgte, kaum war die Hammer-Nachricht raus, gleich die nächste: der Münchner Millionen-Einkauf Mario Götze?

Sind da besonders pfiffige Journalisten am Werk? Mag sein. Wahrscheinlicher jedoch, dass Insider ihre Kenntnisse lancierten, weil sie sich davon einen Vorteil versprechen, weil sie die Aufmerksamkeit des Publikums in eine bestimmte Richtung lenken wollen.

Dafür gibt es ein Wort: Durchstecherei, was ursprünglich Täuschung, Schummelei bedeutet und hier gezielte Indiskretion meint – alltäglich im Geschäft mit exklusiven Nachrichten.

Wir wissen nicht, ob es so war (der Informantenschutz geht über alles), aber es könnte sich so oder ähnlich zugetragen haben: Die erste Meldung über das grobe Foul von Hoeneß lieferte der Focus. Herausgeber des Magazins ist Helmut Markwort, der im Verwaltungsbeirat der Bayern sitzt und auf der Tribüne stets eine Reihe unter dem Vereinspräsidenten Hoeneß jubelt (genau, der ältere Herr mit der wallenden Mähne).

Gut möglich, dass Hoeneß, seit Monaten manngedeckt von den Wadenbeißern der Steuerfahndung, ahnte oder vermutete, dass die Geschichte bald aufploppen würde – und flugs nach vorne stürmte. Ein eleganter Doppelpass mit dem Focus, eine butterweiche Flanke, Treffer. Hat Hoeneß, der angriffslustige Taktiker, die heikle Information womöglich selbst durchgestochen, um sich als reuiger Sünder zu positionieren?

Wenn ja, war’s ein Eigentor. Merke: Hoeneß = ganz große Nummer = alle Medien stürzen sich darauf, alle recherchieren, alle schreiben ihre Storys, anfangs gezähmt, dann immer wilder spekulierend: Börsen-Zockerei? Gier? Selbstherrlichkeit? Doppelleben? Bauernopfer im Bundestagswahlkampf?

Eine Schlagzeile nach der anderen. Spezialisten für Krisenkommunikation greifen in solchen Fällen zu einem simplen Trick: Eine noch größere Nachricht muss her, um den eigentlichen Aufreger von den Titelseiten zu verdrängen.

Ha! Der Super-Mega-Giga-Transfer von Jungstar Mario Götze, den die Münchner Millionarios dem Erzrivalen Borussia Dortmund wegschnappten – das perfekte Ablenkungsmanöver! Verkündet von der Bild-Zeitung, Hausmitteilungsblatt der FCB-Bosse, eine Art Bayern-Kurier.

Plötzlich also Götze-Dämmerung statt Hoeneß-Häme, das war – vielleicht – der Plan. Wer mag dahinterstecken, wer hat die News durchgestochen?

Wir wissen es nicht, und es ist natürlich bloß blühende Fantasie, aber wer eins und eins zusammenzählt …

P.S.: Konkurrenz ist gut fürs Geschäft! Focus oder Bild lassen sich von ihren Spezln mit Informationen füttern, Spiegel oder Süddeutsche zapfen ihre Quellen an und versuchen, noch eins draufzupacken. So ermittelte die Süddeutsche, dass Hoeneß im März festgenommen und gegen Zahlung einer Kaution freigelassen wurde. Neue fette Schlagzeilen, der Tanz ist nicht zu Ende.

P.P.S.: Ohne Informanten, ohne Durchstecher, neudeutsch auch Whistleblower (Pfeifenbläser) genannt, wäre es viel schwieriger, Affären und Skandale aufzudecken.

Wer sich als Journalist darauf einlässt, muss sorgfältig abwägen: die Interessen des Durchstechers gegen die Interessen der Öffentlichkeit – und neutral bleiben. Das ist beim bayerischen Komödienstadel nicht anders als auf allen anderen medialen Bühnen. Halt! Pssst! Was hinter den Kulissen geflüstert wird, bleibt tabu …

Sportliche Grüße!

Peter Reinhart

Solokarpfen, höchst exklusiv

Herr B. aus Trier fragt: Ich lese manchmal in Artikeln, dass der Volksfreund „exklusiv“ über dieses oder jenes berichtet. Warum ist das „exklusiv“ so wichtig, dass Sie es ständig betonen?

Lieber Herr B.,

eine interessante Frage, ich hole ein wenig aus.

Zunächst zur Wortdefinition. Exklusiv bedeutet: ausgewählt, erstklassig, von besonderer Güte, gibt’s ausschließlich hier, nirgendwo sonst.

Die Jagd nach Informationen ist so alt wie die Menschheit. Warum sollte ich lieber davonlaufen, wenn ein Säbelzahntiger naht? Wo finde ich die Weiterlesen

Die Schere am Kopf

Anita Adams aus Kirchweiler in der Eifel schreibt:

Sehr geehrter Herr Reinhart, seit geraumer Zeit fällt mir beim Betrachten der Fotos im TV auf, dass oft die Köpfe angeschnitten sind. Meine Vermutung, dass dies auf den ursprünglichen Bildern vielleicht nicht der Fall und somit vom Fotografen auch nicht gewollt ist, wurde mir bestätigt, als ich am 6./7. April in der Dauner Zeitung den Beitrag über das Orgeljubiläum von Alois Merkes sah. Ich frage mich, warum man den Kopf des Pfarrers Ludwig Hoffmann nicht ganz auf dem Bild gelassen hat.

Ich weiß, dass Ihre Zeitung sich mit dieser Praxis des „Köpfe-Anschneidens“ in guter Gesellschaft befindet – aber nur weil etwas gerade modern ist, muss es nicht unbedingt schöner oder besser sein! Weiterlesen