Mut tut Wut gut

Herr *** meldet sich telefonisch, er wirkt konsterniert: Der Volksfreund hat neulich meinen ersten Leserbrief veröffentlicht. Danach bin ich von anonymen Anrufern beschimpft worden. Und in meinem Briefkasten fand ich mehrere Schmähschriften, natürlich anonym. Ist das eigentlich normal?

Lieber Herr ***,

zunächst: Es tut mir sehr leid, dass Sie von anonymen Pöblern belästigt werden. Ärgerlich, so etwas, und möglicherweise ein Fall für die Justiz. Dass es gelingt, die Übelkrähen zu entlarven, ist allerdings unwahrscheinlich. Meine Empfehlung: gelassen bleiben, ignorieren, drüberstehen.

Wir erleben solche Hass-Attacken in der Redaktion fast täglich. Und fragen uns jedes Mal: Was sind das für Leute, die nicht den Mumm aufbringen, ihren Namen zu nennen, Weiterlesen

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Off de Schnüss

Alles hängt mit allem zusammen. Ein Überblick (wirklich nur eine klitzekleine Auswahl!) über merkwürdige Zuschriften der jüngsten Zeit:

Karl-Friedrich L. aus Berlin schickt eine Karte mit dem Aufkleber der Nessie-Partei und einem Foto, auf dem Exkremente abgebildet sind. Einzige Anmerkung: Scheiß-Preise.

Anonym: Allein der Name Ihres Blattes ist schon ein Witz! Diese ganze linksideologische Hofberichterstattung für die Altparteien und das Niederschreiben und Niederschreien jeglicher Opposition politisch Andersdenkender erinnert stark an die Springer-Presse der 60er Jahre, nur waren es da die linken Studenten, die von einer konservativen Presse medial gesteinigt wurden, heute ist es nach dem linken Marsch durch die Institutionen genau umgekehrt! Der Volksfreund ist antidemokratisch, menschenverachtend, zynisch. Lügenpresse! Und so wie ich denken viele, die für ihre Grundrechte einstehen!

Herr M. aus der Eifel schreibt: Als Bürger des Landes Rheinland-Pfalz möchte ich Sie über einen Justiz- und Polizeiskandal mit Schwerpunkten in der Stadt Trier informieren. Auslöser des Skandals ist der Getränkekonzern ***. Verantwortlich für den Terror sind die Weisungen aus der SPD-geführten Regierung. […]  Da die SPD-nahen Print-Medien den Justiz- und Polizeiskandal nicht öffentlich machen […] Bestechlichkeit bei Justiz, Anwaltschaften und Staatsanwaltschaft […] Korruption […] organisierte Kriminalität in der Stadt Trier […] schwarze Kassen des Getränkekonzerns […] lange Tradition und offenes Geheimnis […] Hintergründe und Tätergruppen, die für die Beseitigung der Zeugin Tanja Gräff verantwortlich sind, werden von der Staatsanwaltschaft geheimgehalten […] tödlicher Mix aus Korruption und Bestechlichkeit […] verbrecherisches Syndikat aus Politik, Justiz, Polizei […] Top-Justizterroristen […] Erpressungen, bandenmäßige Prozessbetrügereien […] Justizmafia […]

Anonym: Du blöder Hund!

Herr L. aus dem Hochwald meint: Bussi, bussi! Ein Pazifist liebt seine Nächsten. Ich liebe mich. Schon lange. Nehmen Sie mich bitte ernst. Und bringen Sie der Gewaltlosigkeit zuliebe meinen Leserbrief. [Der geht so:]  Einer schlägt dem anderen off de Schnüss. Egal warum und wieso. Dat tut weh. Dann schlächt dä anneren dem einen och ein off de Schnüss. Auaaah. Dat hat awer weh gedan. Na warte. Dan schlächt dä einen dem anneren nochemal ein off de Schnüss. Dat sieht en dritten. Dä zeicht sogenannt zievielcorage odda so. Geht hinn unn schlächt beiden ein off de Schnüss. Die blude schon. Ahhhhh. Dat hatt awwer weh gedan. Na waaat. Dann schlan die zwei bludenden dem drittten off de Schnüss. Weil se määnen dat Gewaltmonopol zu hann. Jetzt bluut dän och schon. […]  Und wenn sie (noch) nicht gestorben sind, bringen sie sich alle mit aller Gewalt (vorher) um. Dat nennt mä dann: nicht eines natürlichen doodes jestorwen. Sondann durch wat? Ewen. Nur dem Herrjott 8säin Suuun hot et richtig gemaach. Dä hot zum Petrus gesoot: Dou doou dein Schwert weg. Wat haust dau domm Schoof dem Soldat ello säin scheen Ohr ab? Dau Gewalttäter. […]  Hai lääs weider, dau gewaltbefirwortenden Dölpen. Wat wellt ihr törichten Dumfbacken dann?

Frau *** (schreibt öfters): Sind Sie eigentlich so blöd, dass Sie nicht merken, dass Ihr hinterfotziges Gehabe meinen Zorn erst recht anstachelt? Dass ich immer wütender werde, weil Sie auf nichts reagieren? […] Sind Sie das, der meinen Computer unter seiner Kontrolle hat? […] Ich schließe nicht aus, dass der kirchliche Geheimdienst seine Finger im Spiel hat. Ich werde observiert. […] Ich gebe mein Menschenmöglichstes, und Sie drucken gar nichts davon.

Anonym: Was Sie da über *** schreiben, ist ein Witz. Von wegen Charmeur, fragen Sie ihn mal, was er mit seiner ersten Frau gemacht hat! Wie viel hat *** Ihnen für diesen Bericht gezahlt? Das ist die Lügenpresse!

Herr W.: Würde ja einen Leserbrief schreiben, aber das raffen die Leute eh nicht. Die denken nur ans Ficken, Saufen und an Fußball. Ihr Vollpfosten, ihr unfähigen Dellitanten [Original-Schreibweise] habt ja nicht die geringste Ahnung!

Eine Dame: Ihre politische Linie ist einseitig, engstirnig, bourgeois-provinziell und volksverdummend, wie die von sehr vielen anderen Blättern auch. Es wird zunehmend schwierig, andere Meinungen als die offiziell vorgegebenen zu finden. Sie stehen nur noch unter der Rubrik Leserbriefe.

Liebe Leserinnen und Leser, Aktionskünstler, Verschwörungstheoretiker aller Länder,

besten Dank, dass Sie uns ohne Unterlass mit den neuesten Neuigkeiten und wahrsten Wahrheiten versorgen. Schade bloß, dass wir nicht alles veröffentlichen können. Sehr schade.

Herzliche Grüße!

Peter Reinhart

Edel, hilfreich und gut

Andrea Gierenz aus Irrhausen meint zu verschiedenen Veröffentlichungen über den Vermisstenfall Tanja Gräff:

Herrn Deschunty gebührt für seinen mutigen Leserbrief (TV vom 28. Januar) Dank, Respekt und Hochachtung. Er wird sich der dienstrechtlichen Folgen seines Briefes durchaus bewusst gewesen sein, und er wird diese in Kauf genommen haben. Wenn jedoch derart beleidigende Ansichten zur Person von Herrn Deschunty auf der Titelseite veröffentlicht werden (TV vom 2. Februar), dann zweifle ich stark an der Unabhängigkeit der Zeitung. Sie haben das Niveau des Volksfreunds in meinen Augen erheblich sinken lassen. Weiterlesen

Schwarze Löcher

Annette Müller aus Konz schreibt: Lieber Peter Reinhart, danke für Ihren Beitrag „Das Puzzle“ über die Kunst der Veröffentlichung von Leserbriefen. Ich schreibe selbst sehr gern und lese noch lieber andere Leserbriefe.

Briefe mit Wut oder Humor geschrieben – ich mag es selbst, zu provozieren und aufzurütteln für Denkanstöße in unserer Welt der weitverbreiteten Lethargie.

Ich muss zugeben, dass ich mir wünschen würde – wie von Ihnen angesprochen –, dass ein Leserbrief genau auf den Punkt zeitlich passend kommt. Meist ist der „Pepp“ nämlich schon weg, wenn er erst ein oder zwei Wochen nach dem Thema erscheint …

Wie wäre es denn, wenn Sie an mehreren Tagen Leserbriefe veröffentlichen, damit Ihr besagtes „Raum-Zeit-Kontinuum“ vom Samstag nicht gesprengt werden muss? Natürlich sollte nicht einfach alles veröffentlicht werden, aber es ist doch ein gutes Zeichen der Identifizierung Ihrer Leser mit dem TV, dass so viel Bedarf besteht. Oder Sie schreiben Ihre Kommentare einfach auf die nächste Seite, dann haben wir Leser mehr Raum zu schreiben, denn Ihre Darstellungen sind oft sehr lang, auch wenn sie immer amüsant sind …

Liebe Frau Müller,

bitte sorgen Sie sich nicht: Diese Kolumne ist jenseits von Raum und Zeit. Kein Leser kommt deswegen zu kurz. Würde ich jetzt aufhören zu schrei…

Schwarzes Loch

…ben, bliebe ein Schwarzes Loch im Zeitungsuniversum, das alle Materie verschlingt und den Geist gleich mit. Im Bild: die Baby-Ausführung, gibt’s auch viel größer. Gefährlich, so was. Wollen wir doch nicht, oder?

Herzliche Grüße!

Peter Reinhart

Das Puzzle

Herr R. fragt: Warum dauert es so lange, bis mein Leserbrief veröffentlicht wird? Herr B., Herr C. und Herr H. fragen: Warum ist mein Leserbrief gekürzt worden? Herr E. fragt: Warum wird mein Leserbrief nicht abgedruckt?

Liebe Leser,

ich verstehe sehr gut, dass Sie enttäuscht sind, wenn Ihre Zuschriften gekürzt oder nicht sofort oder gar nicht veröffentlicht werden. Und ich weiß, dass Ihnen jedes Wort, das Sie geschrieben haben, wichtig ist.

Leider sind wir oft gezwungen, Sätze oder ganze Passagen abzuzwacken, damit möglichst viele Leserbriefe abgedruckt werden können. Egal, was wir unternehmen: Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, alle(s) ins Blatt hineinzupacken.

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Morgens halb zehn in Deutschland

Ein Wort zum Unwort: „Lügenpresse“ tönt es neuerdings in der einen oder anderen Zuschrift an den Volksfreund. Nein, keine Namen, keine Tiraden im O-Ton. Nur eine Gegenrede.

Lieber Herr P., lieber Herr E., lieber Herr G., … (merkwürdig, ausschließlich Männer ereifern sich über die Lügenpresse),

lesen Sie jetzt nicht weiter. Sie wissen eh, dass alles gelogen ist, was in der Zeitung steht. In dieser, in jeder. Alles manipuliert, alles gleichgeschaltet, behaupten Sie. Mainstream-Medien. Systempresse. Lügenpresse. Gesteuert von den Strippenziehern in der Politik und in der Finanzwelt.

Pssst! Ich verrate ein Geheimnis. Es stimmt!!! Jeden Morgen um halb zehn kommt die Weiterlesen

Schluss mit lustig? Niemals!

Valentin Steffens aus Altrich schreibt: Gibt es unter dem Deckmantel Satire keine Grenzen? Der Terroranschlag auf das Pariser Satiremagazin Charlie Hebdo mit zwölf Toten ist absolut und zweifelsfrei barbarisch. Als schon älterer Bürger Deutschlands stelle ich mir allerdings die Frage, gibt es für Satire, gerade auch unter dem Deckmantel Pressefreiheit, keine respektablen und humanen Grenzen? „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ steht im Grundgesetz. Können provozierende und inhumane Beiträge in Wort und Bild, oft eher wahrheitsfern, unter den bekannten terrorbeflissenen Zeitgenossen nicht gerade Hass und Zwietracht schüren oder sogar Anschub leisten für furchtbare barbarische Taten?

Lieber Herr Steffens,

es stimmt, die Geschichte lehrt uns, dass es der Menschheit besser ginge, wenn manches nicht gesagt, geschrieben, gezeigt worden wäre.

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Jede Jeck is anders!

Eine Auswahl der schönsten Zuschriften zum Forum „Die Unperfekten“, zum Artikel „Der Ungleichheitsguru“ (beides TV vom 3./4. Januar) und ganz allgemein zur Fehlerkultur:

Lieber Herr Reinhart!

Der Tag ist mal wieder gerettet. Und bitte, wem habe ich das zu verdanken? Ihrer Leserin Frau Linden und Ihnen. Hätte Frau Linden sich nicht aufgeregt, wäre mir ein tolles Highlight, nämlich Ihre heutige Antwort im TV, entgangen. Es hat mir wie immer Spaß gemacht, über die – in diesem Fall gewollten – Fehler herzhaft zu lachen. Mein Tag hat dadurch jedenfalls mit absolut positiver Energie begonnen. Weiterlesen

Die Unperfekten

Margit Linden aus Greimerath schreibt zum Bericht „Marktstand in Flammen“ (TV vom 22. Dezember): Nie wieder esse ich Steaks in Trier! Laut TV wird dort neben Reibekuchen und Backfisch auch gebratenes Menschenfleisch angeboten. Schuld daran sind weder die dortigen Gastronomen noch der absolute Lieblingskumpel vom stellvertretenden Chefredakteur Peter Reinhart – nämlich der arme Druckfehlerteufel, der (als Fabelwesen) immer dann herhalten muss, wenn Reinhart nicht mehr weiter weiß, sondern die außergewöhnlich merkwürdig geschulten Schreiberlinge vom TV.

Gerne hätte ich mich auf Ihre verzweifelten Anzeigen hin als Korrekturleserin beworben. Aber leider habe ich, da bereits anderweitig beschäftigt, keine Zeit dafür. Aber ich habe einen Super-Tipp für Sie: Stellen Sie doch in Zukunft nur noch Redakteure ein, die zum Beispiel den Unterschied zwischen „Champion“ (das ist ein Mensch) und „Champignon“ (das ist ein Pilz) kennen. Dann können die TV-Leser endlich mal eine korrekt geschriebene Zeitung lesen und ich wieder ohne Horror-Ekel ein (Rinder-)Steak mit Champignons genießen. Weiterlesen

Isothermen und Isotheren

Fred Casagranda aus Konz schreibt zur Schlagzeile „Frost, aber kein Schnee: Nächste Woche ‚Winter light’ in der Region“ (TV vom 28. November): Bitte überlassen Sie den Großkaufhäusern ihren „Sale“. Ihre Redakteure sind sicher imstande, das, was gemeint ist, auf Deutsch zu sagen. Nebenbei: Ich bin Lëtzebuerger.

Karl Mrakawa aus Kyllburg meint zur selben Überschrift: In aller Früh erreichten mich zwei Anrufe mit dem Unmut, sieh dir mal die Titelseite des Volksfreunds an. Haben wir es nötig, uns von den Zeitungsschreibern veramerikanisieren zu lassen? Kann man das nicht auf Deutsch formulieren? Die Presse soll eine Schule für die Menschen sein! Es ist wirklich eine Zumutung.

Lieber Herr Casagranda,

lieber Herr Mrakawa,

ja, es stimmt: Das denglische Gedöns in der Titelzeile wäre vermeidbar gewesen.

„Winter light“: So hat der Meteorologe Dominik Jung, der im Artikel (und in der Überschrift) zitiert worden ist, seine Wetterprognose für die nächste Zeit zusammengefasst. Soll wohl heißen: Der Winter ist kein richtiger Winter, sondern einer, dem etwas fehlt. Frost, Schnee, Eis.

Das englische Modewort „light“ (leicht) wird gemeinhin von Werbern verwendet, um Produkte als besonders „hip“ anzupreisen oder etwas Unangenehmes zu verschleiern, Weiterlesen